«Pflege-Exodus»

Pflegende demonstrieren in Bern für bessere Arbeitsbedingungen

26. November 2022, 16:08 Uhr
Der «Pflege-Exodus» soll gestoppt werden – das verlangen Pflegepersonen am Samstagnachmittag in Bern. An der Kundgebung nahmen mehrere hundert Personen teil. Mit Lärm – beispielsweise durch Bettpfannen – wollen sie auf das Problem in der Pflegebranche aufmerksam machen.

Quelle: CH Media Video Unit / Melissa Schumacher

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Mehrere hundert Beschäftigte aus dem Gesundheitswesen haben sich am Samstagnachmittag zu einer Kundgebung in Bern versammelt. Sie forderten, dass Bund und Kantone den «Pflege-Exodus» endlich stoppen.

Jeden Monat kehrten über 300 Pflegende ihrem Beruf den Rücken, hiess es in einem Aufruf der Gewerkschaften Unia, VPOD und Syna und des Berufsverbandes SBK. Das heize die Versorgungskrise im Gesundheitswesen an. Viele Abteilungen und Heime seien mittlerweile stark unterbesetzt. Die Überlastung des Personals führe zu Fehlern in der Arbeit, die Pflegequalität sinke. Die vor Jahresfrist vom Volk angenommene Pflegeinitiative müsse zügig umgesetzt werden.

Ausserdem brauche es Sofortmassnahmen. Gefragt seien unter anderem bessere Löhne. 

Die bestehenden Zulagen und Zeitgutschriften müssten massiv erhöht werden, auch brauche es neu Zulagen für kurzfristige Dienstplan-Änderungen. Pflegende bis zum 49. Altersjahr sollten mindestens fünf Wochen Ferien haben, danach sechs Wochen, ab 60 Jahren sieben.

Weiter müsse die tatsächliche Arbeitszeit erfasst und abgegolten werden. Dazu gehörten zum Beispiel die Umkleidezeit und die Wegzeit von einem Einsatz zum nächsten in der Spitex. Vonnöten seien auch Zuschüsse für familienergänzende Kinderbetreuung.

«Wir schlagen Alarm»

Die Kundgebung organisiert hatten die Gewerkschaften Unia, VPOD und Syna sowie der Berufsverband SBK. Sie schätzten die Zahl der Teilnehmenden auf 700.

«Wir schlagen Alarm» lautete das Motto. Die Demonstrierenden hatten Bettpfannen, Nierenschalen und andere Gefässe dabei, um Lärm vor dem Bundeshaus zu machen. Viele erschienen in Berufskleidung.

«Beifall war gestern - heute brauchen wir mehr Zeit und Geld» stand auf einem der Transparente geschrieben. Eine Pflegende hielt ein Schild mit der Aufschrift «Ich habe 255 Überstunden» in die Höhe. «Gesundheit ist keine Ware» hiess es auf einem Transparent von Ärztinnen und Ärzten.

Erstes Paket in der Pipeline

Das Schweizer Volk hatte die Pflegeinitiative im November 2021 deutlich angenommen. Der Nationalrat soll in der anstehenden Wintersession ein erstes Umsetzungspaket schnüren, indem er die Ausbildungsoffensive verabschiedet.

Doch es nütze alles nichts, «wenn man Wasser in die Badewanne einlässt, aber den Stöpsel vergisst», sagte ein Redner an der Kundgebung. Deshalb brauche es auch bessere Arbeitsbedingungen für die Pflegenden.

(sda/ade)

Quelle: BärnToday
veröffentlicht: 26. November 2022 15:09
aktualisiert: 26. November 2022 16:08