Engpass abgewendet

23-jährige Alpnacherin verhilft Obwalden zu Schutzmaterial

Sophie Müller, 25. April 2020, 19:07 Uhr
Im Kanton Obwalden drohte das Schutzmaterial knapp zu werden. Die 23-jährige Karin Hess aus Alpnach pflegt gute Kontakte nach China. Wie sie im Interview erzählt, konnten nun dadurch 870 Schachteln Schutzmaterial aus Shanghai eingeflogen werden.

80’000 Schutzmäntel und 150’000 Schutzmasken aus China hat ein Passagierflugzeug der SWISS am Montagabend am Flughafen Zürich abgeladen. Damit ist es dem Kantonsspital Obwalden zusammen mit dem Kantonalen Führungsstab gelungen, das dringend benötigte Schutzmaterial für die Gesundheitsversorgung zu importieren, heisst es in einer Mitteilung.

Remo Ehrsam, Leiter Einkauf/Logistik im Kantonsspital Obwalden zeigte sich sichtlich erleichtert über die Lieferung: «Wir haben dieses Schutzmaterial dringend erwartet. Vor allem bei den Schutzmänteln drohten die Vorräte in nächster Zeit sehr knapp zu werden.»

23-jährige Alpnacherin setzt sich ein

Schutzmaterial aus China ist weltweit gefragt. Der Weg dahin sei langwierig und aufwändig gewesen, heisst es in der Mitteilung weiter. Für die Beschaffung habe Karin Hess alle Hebel in Bewegung gesetzt und ihre Kontakte nach China spielen lassen.

Im Rahmen ihres Studiums der Sinologie hatte Karin Hess mehrere Monate in China verbracht und spricht fliessend Mandarin. Im Interview mit PilatusToday erzählt sie, dass sie sich dem Kantonsspital Obwalden während der Corona-Krise als freiwillige Helferin angeboten hat.

Nun ist das Schutzmaterial in Obwalden angekommen, wie haben Sie reagiert? 

«Ja, natürlich wahnsinnig erleichtert. Ich bin zuerst ein paar Mal an Ort und Stelle auf und ab gehüpft und habe mich gefreut», erzählt Hess. Sie habe zwar gewusst, dass das Material auf dem Weg ist, dennoch sei stets eine gewisse Unsicherheit da gewesen.

Was waren die Herausforderungen, um an das Schutzmaterial zu kommen?

«Primär einmal, wer kann das Material überhaupt liefern? Wer hat die notwendigen Zertifizierungen? Dann die Frage, können sie überhaupt rechtzeitig liefern? Wie bringt man die Sachen an den Flughafen Shanghai? Wie bringt man sie durch den Export? Welche Dokumente braucht man da? Und schliesslich auch noch den Transport in die Schweiz.»

Aber auch sprachliche Hürden habe es gegeben, zum Beispiel bei den Verhandlungen. Oder ein kleiner Panik-Moment: «Einmal sind unsere Schutzmäntel aus der Fabrik abgefahren, aber nicht zum richtigen Zeitpunkt im Warenhaus angekommen.» Schlussendlich habe die Fabrik schlicht nicht mitgeteilt, dass es auf der Strasse Stau gegeben hatte.

Du hast gute Kontakte in China. Waren diese massgebend, um die Herausforderungen zu meistern? 

«Ohne Unterstützung wäre es wirklich unmöglich gewesen, das ist ganz klar.» Allen voran habe ihr eine chinesische Freundin von A bis Z freiwillig geholfen. «Sie ist sogar in die Fabrik gegangen, um abzuklären, ob die Produkte qualitativ ausreichend sind.»

Unterstützung habe es aber auch seitens der Schweizer Botschaft gegeben. Sie habe ein offizielles Schreiben für die Lieferung ausgestellt, so Hess.

Dennoch – Ohne deinen freiwilligen Einsatz wäre das Schutzmaterial wohl nicht so schnell angekommen. Bist du stolz?

«Ich habe das nicht allein gemacht. Und das ist mir auch wichtig», stellt Hess klar. «Ich bin natürlich sicher stolz, dass ich in einem solchen Projekt mitwirken durfte. Und ich habe wahnsinnig viel gelernt dabei.»

Vor allem aber sei sie auch froh und erleichtert, dass sie dazu beitragen konnte, dass die Angestellten im Kantonsspital adäquat geschützt seien und der Kanton mit Schutzmaterial versorgt ist.

Das Schutzmaterial behebt einen drohenden Engpass im Kantonsspital sowie in den Obwaldner Alters- und Pflegeheimen. 870 Schachteln sind eingetroffen. Reicht das?  

«Ich glaube, für das Kantonsspital reicht das relativ lange.» Die genauen Angaben habe sie jedoch nicht, so Hess. «Es kommt natürlich auch drauf an, wie sich die aktuelle Lage mit den Fallzahlen entwickelt. Aber ich denke wir sind sicher sehr gut aufgestellt nun.»

Beitrag von Tele 1

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Quelle: Tele1

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 24. April 2020 07:25
aktualisiert: 25. April 2020 19:07