Leben mit Coronavirus

Corona-Patientin: «Es wäre auch unnötig, Panik zu kriegen»

Marcel Jambé, 25. März 2020, 09:13 Uhr
Selina aus Zug erzählt von ihrer Erfahrung als Corona-Patientin.
© PilatusToday
Selina aus dem Kanton Zug hatte sich am 14. März 2020 mit dem Coronavirus infiziert und ist bis heute in Quarantäne. Wir haben mit ihr über ihre Krankheit gesprochen.

PilatusToday: Wie fing alles an?

Selina*: Ich arbeite im Gesundheitswesen und deswegen hatten wir auch vorher schon strikte Vorschriften. Mit Husten oder mit einer Grippe durften wir nicht arbeiten und wir mussten uns umgehend auf den Virus testen lassen. Da eine Arbeitskollegin von mir positiv getestet wurde und ich am gleichen Tag Husten bekommen habe, musste auch ich mich testen lassen.

Wie hast du dich angesteckt?

Das werde ich oft gefragt. Leider kann dies nicht eindeutig beantworten, da die Inkubationszeit lange ist. Es ist gut möglich, dass ich bei der Arbeit angesteckt wurde. Es ist aber nur eine Vermutung.

Welche Symptome hattest du?

Am Anfang konnte ich schwer abschätzen, welche Symptome zur Grippe, welche zur Erkältung und welche zum Coronavirus gehörten. Bei mir fühlte es sich nach einer Erkältung an. Ich hatte weder Gliederschmerzen noch Fieber, nur Husten. Ausserdem fühlte ich mich niedergeschlagen, mir fehlte die Energie und bei körperlicher Betätigung hatte ich Kurzatmigkeit. Aber sonst hatte ich keine Einschränkungen meiner Atemfunktionen. Ein paar Tage später verlor ich meinen Geruchs- und Geschmacksinn.

Wie fühlst du dich mit dem Virus?

Ich bin körperlich ein bisschen angeschlagen. Aber da der Virus bei mir einen milden Verlauf nimmt und ich grundsätzlich ein gutes Immunsystem habe, kann ich dies gut wegstecken.

Wie lange geht es, bis du wieder vollständig gesund bist?

Ich muss zehn Tage ab den ersten Symptomen zu Hause in Quarantäne bleiben und danach 48 Stunden symptomfrei sein, bevor ich wieder zur Arbeit gehen kann.

Warst du während dieser Zeit alleine oder bekamst du Unterstützung?

Ich fühlte mich während der gesamten Zeit nie alleine. Mir wurde sehr viel Hilfe angeboten wie, z.B. Lebensmittel einkaufen. Auch die Unterstützung vom Kanton schätze ich sehr. Der Kantonsarzt sorgte sich sehr gut um mich, fragte nach, ob ich was benötige und klärte all meine offenen Fragen.

Zudem bekam ich täglich Unterstützung von der Lungenliga, indem sie mich anriefen, nach meinem Gesundheitszustand fragten und mich unterstützten. Ausserdem hatte ich Kontakt mit einem Oberarzt für Infektiologie, der alle offenen Fragen klärte. Ich war also in guten Händen und ich schätze das sehr.

Wie gehst du damit um, dass du das Coronavirus hast? Und wie fühlen sich zehn Tage vollständige Isolation an?

Ich gehe damit locker um. Es wäre auch unnötig, Panik zu kriegen. Ich sehe es positiv, da ich es nachher hinter mir habe und dann wieder arbeiten kann. Gerade weil ich in einem Pflegeberuf arbeite, war der Ausfall ein grosses Thema, weil jede Hilfe benötigt wird. Ich bemerke auch, dass ich nicht viel von der Umwelt mitbekomme, wie beispielsweise von der leeren Stadt oder von den leeren Zügen.

Ich merke auch, dass die Besorgnis der anderen Menschen grösser ist als meine eigene, weil viele nicht wissen, was die Krankheit mit dem Menschen anstellt und wie der Krankheitsverlauf sein wird.

Anmerkung der Redaktion

Das Interview mit Selina wurde am Montag, 23. März geführt. Selina ist inzwischen wieder gesund. Läuft alles weiter nach Wunsch, kann sie ihre Arbeit im Pflegebereich Ende Woche wieder aufnehmen.

*vollständiger Name der Redaktion bekannt

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 24. März 2020 22:08
aktualisiert: 25. März 2020 09:13