BAG-Direktorin Anne Lévy

«Der Impfstoff wird sicher und wirksam sein»

22. November 2020, 13:11 Uhr
Anne Lévy ist seit Oktober Direktorin des Bundesamts für Gesundheit und hat ihr erstes grosses Interview dem «Blick »gegeben.
© Keystone
In einem Interview mit dem «Blick» sagt BAG-Direktorin Anne Lévy, sie sei «vorsichtig optimistisch», es sehe nach einer Trendwende aus. Die Entwicklung der Todeszahlen müsse «genau beobachtet» werden.

In ihrem ersten grossen Interview seit Amtsantritt sprach die neue BAG-Direktorin Anne Lévy gegenüber dem «Blick» von «vorsichtigem Optimismus» und einer «Trendwende». Die Zahl der Hospitalisierungen und Todesfälle bleibe zwar hoch, die Entwicklung müsse nun in den kommenden Tagen und Wochen «genau beobachtet» werden. Der «Lead» liege bei den Kantonen.

Lévy verteidigte im Interview die Schweizer Strategie, die von der Weltgesundheitsorganisation WHO wegen der damit verbundenen Sterbewelle kritisiert worden ist. Die Schweiz berücksichtige die grossen regionalen Unterschiede im Land. «Das ist sinnvoll, da zwischen den Kan­tonen grosse Unterschiede im Infektionsgeschehen bestehen», sagte Lévy.

Dass die Schweiz zu wenig vorbereitet war auf die zweite Welle, bestreitet Lévy. Sie räumt aber ein: «Niemand hat damit gerechnet, dass die Zahlen so schnell ansteigen.» Die Lehre daraus: «Man kann sich noch so gut vorbereiten, auf alles gefasst ist man am Ende doch nicht.» Sorgen mache ihr, dass die Leute offenbar testmüde sind. Obwohl dank der neuen Schnelltests bis zu 70'000 Tests pro Tag möglich wären, liegt die Positivitätsrate weiterhin bei rund 20 Prozent. «Ich fürchte, die meisten warten zu lange ab und hoffen, dass es nicht Corona ist und dass es vorbeigeht.»

Gegenüber CH Media hatten Epidemiologinnen bereits im September darauf hingewiesen, dass das sich die Schweiz wieder im exponentiellen Wachstum befinde.

Sicherer Impfstoff – kommt das Obligatorium?

Lévy appelliert an die Bevölkerung: «Lassen Sie sich testen, wenn Sie Symptome haben!» Hoffnung macht der obersten Gesundheitsbeamtin die nahende Impfung. Gegenüber der Wochenzeitung versichert sie: «Der Impfstoff, der in der Schweiz zugelassen wird, wird sicher und wirksam sein.» Und: sie schliesst ein Impfobligatorium nicht aus: «Ein Obligatorium kann je nach Lage in speziellen Situationen Sinn machen.» 

Gestützt auf das Epidemien­gesetz könnten Bund oder Kantone beschliessen, dass gewisse Funk­tionen nur von geimpften Personen ausgeführt werden dürfen. (wap/kra)

Quelle: CH Media / PilatusToday
veröffentlicht: 22. November 2020 08:39
aktualisiert: 22. November 2020 13:11