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Psychologe erklärt

Deshalb stressen uns die Ferien während Corona

18. August 2021, 06:50 Uhr
Corona nervt – und diesen latenten Dauerstress scheinen wir auch in den Ferien nicht ablegen zu können. Das zeigt eine Umfrage einer grossen deutschen Krankenkasse. Warum ist das so und was hilft gegen Stress im Urlaub?
Eine Studie zeigt: Jede und jeder fünfte Deutsche konnte sich in den Ferien nicht erholen.
© Getty

Die Sehnsucht nach Sonne und Strand, ins Flugzeug zu steigen und einfach zu vergessen, dass wir uns noch immer mitten in einer Pandemie befinden, ist gross. Anders als im letzten Sommer stand es dieses Jahr dank der Corona-Impfung deutlich besser um die Ferien am Strand. Aber: Der Entspannungsmodus setzt nicht bei allen ein. Das zeigt das Ergebnis des Urlaubsreports 2021 der DAK-Gesundheit.

Demnach hat sich in diesem Sommer jede und jeder fünfte Deutsche nur wenig oder gar nicht erholt in den Ferien. Der Hauptgrund ist die Unfähigkeit abzuschalten, wie aus der Umfrage klar wird. Auf Platz zwei stehen mit 31 Prozent gescheiterte Reisepläne wegen der Corona-Krise. Über schlechtes Wetter klagen 23 Prozent der Befragten und 21 Prozent hatten in den Ferien Stress mit der Familie oder Freunden. Auch interessant: 88 Prozent der Befragten empfinden es als wichtig, sich auch in den Ferien an die Corona-Massnahmen zu halten – das sind fünf Prozent weniger als letztes Jahr.

Die Umfrage wurde in Deutschland durchgeführt. Doch Thomas Spielmann ist der Meinung: «In der Schweiz würden die Ergebnisse wohl ähnlich ausfallen», sagt der Psychologe. «Beim Reisen während Corona entsteht zusätzlicher, oft nicht voraussehbarer Stress.» Dabei würden die Unsicherheit und die Ungewissheit, die beim Reisen während der Pandemie zusätzlich anfallen, besonders ins Gewicht fallen.

So wisse man oft bis kurz vor der Abreise nicht, ob es die epidemiologische Lage überhaupt zulasse, in ein anderes Land reisen zu können, welche Vorschriften wo gelten und wie sich die Situation allgemein entwickelt. Zudem sei bei vielen die Angst grösser, im Ausland zu erkranken als zu Hause. Spielmann fasst zusammen: «Konstante Unsicherheit ist für den Menschen belastender als eine schlechte Gewissheit.»

Verantwortung für Kinder  

Weiter geht aus der Umfrage hervor, dass deutlich mehr Frauen (acht Prozent) als Männer (drei Prozent) die Ferien überhaupt nicht geniessen konnten. Auch das wundert den Psychologen nicht. Er hat zwei wesentliche Erklärungen dafür: Seit Beginn der Pandemie mieten insbesondere Familien mit kleinen Kindern vermehrt ein Ferienhaus, statt ins Hotel zu gehen. «Und wer hat da in der Regel die Verantwortung für die Kinder, den Haushalt und das Essen?», fragt Spielmann suggestiv und beantwortet die Frage im gleichen Atemzug gleich selber: «Die Mütter.»

Zudem können Frauen gemäss Spielmann vernetzter denken und sind oft verantwortungsbewusster im Umgang mit der Pandemie – mögliche Risiken oder Gefahren würden sie daher oft näher an sich ran lassen.

Stressfreier Urlaub trotz Corona? Das geht!

Aber was kann man tun, damit man die Ferien trotz Covid-Zertifikat, unsicherer epidemiologischer Lage und der Angst vor einer Infektion geniessen kann? «Reist nicht zu weit weg, bleibt in der Schweiz», so der Rat des Psychologen. Im eigenen Land sei man vertrauter mit der Sprache, den Bestimmungen und der Kultur. Wenn man es aber nicht lassen kann, ins Ausland an den Strand zu reisen, rät Spielmann: «Bereitet euch gut vor und geht gar nicht erst mit der Erwartung in die Ferien, wieder entspannt zurückzukommen.»

Und auch die Umfrage aus Deutschland bestätigt: Die Mehrheit der Deutschen (81 Prozent) konnte die Ferien trotz Corona-Stress und Co. geniessen. Die meistgenannten Gründe für einen gelungenen Urlaub lassen sich auf die Sonne und die Natur am Ferienort zurückführen.

(noë)

Quelle: ArgoviaToday
veröffentlicht: 18. August 2021 06:20
aktualisiert: 18. August 2021 06:50