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Arzt über Impfskepsis

«Ein Laie kann die Informationen nicht einordnen»

26. April 2021, 11:49 Uhr
Während die Impfbereitschaft zu Beginn der Corona-Pandemie noch rückläufig war, zeigen sich seit Oktober immer mehr Schweizer dazu bereit, sich piksen zu lassen. Das geht aus Umfragen des Bundesamtes für Gesundheit BAG hervor.
Das Thema Impfen spaltet seit Beginn der Corona-Pandemie die Bevölkerung.(Symbolbild)
© Keystone/dpa/Daniel Karmann

Als Gründe für das Verweigern der Impfung wurden mehrheitlich die Furcht vor Nebenwirkungen und Langzeitfolgen angegeben. Für die Impfung sprechen vor allem Argumente wie die Rückkehr zur Normalität oder, dass mit der Impfung ein Beitrag zur Bewältigung der Pandemie geleistet werde.

Empfehlung der Ärzte ausschlaggebend

Mit der Frage der Impfbereitschaft hat sich Professor Philip Tarr, Co-Chefarzt der Medizinischen Universitätsklinik und Leiter der Infektiologie und Spitalhygiene des Kantonsspitals Baselland, schon vor Corona beschäftigt. In einem Nationalen Forschungsprogramm NFP74 versucht er seit 2017 die Gründe für die Impfskepsis bei Eltern sowie Ärztinnen und Ärzten besser zu verstehen und Lösungsansätze auszuarbeiten.

Ein zentraler Punkt für Tarr ist die Schulung des Gesundheitspersonals: «Für viele ist die Empfehlung des Arztes oder der Ärztin entscheidend, ob sie sich impfen lassen oder nicht.» Dass diese bei Impffragen eine kompetente Beratung anbieten können, sei zentral. Tarrs Befragungen haben ergeben, dass rund 85 Prozent des teilnehmenden Gesundheitspersonals mehr über das Impfen lernen will.

Diskussion muss möglich sein

Obwohl der Basler Arzt von der Wirksamkeit von Impfungen überzeugt ist, versteht er die Skepsis einiger. «Bei den Corona-Impfungen gab es anfangs wenig vorliegende Daten», doch gebe es mittlerweile genügend Studien, die für die Impfungen sprechen. Dass heutzutage viele Informationen für alle zugänglich sind, ist laut Tarr nicht immer etwas Positives: «Für einen Laien ist es oft nicht möglich, Informationen, beispielsweise aus dem Internet, richtig einzuschätzen.»

Wichtig sei es, offen über das Thema sprechen zu können. "Die Diskussion muss von wer hat Recht oder Unrecht wegkommen", ist Tarr überzeugt. Es sei eine unproduktive Haltung, welche die offene Diskussion erschwere.

Für die nächsten Monate prognostiziert Tarr einen anhaltenden positiv-Trend für die Impfbereitschaft. «Kommen die Leute mit Geimpften in Kontakt, denen es auch nach sechs Monaten noch gut geht, wird das der Impfbereitschaft helfen.» Schwierig zu beantworten bliebe aber die Frage, wie viele sich schliesslich impfen lassen.

Kein Impfzwang

«Einen Impfzwang wird es in der Schweiz nicht geben», meint Tarr. Dass es aber gewisse Privilegien für Geimpfte gibt, wie es mit dem Covid-Zertifikat (PilatusToday berichtete) der Fall wäre, sei aber durchaus möglich. Der Bund könne Privaten und den Kantonen auch nicht verbieten, solche einzuführen.

Martin Hartmann, Professor für Philosophie an der Universität Luzern, widerspricht der Auffassung, dass dies zu einer Zweiklassengesellschaft führt (PilatusToday berichtete). Damit es dazu komme, bräuchte es eine dauerhafte Benachteiligung einer Bevölkerungsgruppe. Da die Vorzüge für Geimpfte – sollte es dazu kommen – nur temporär wären, sei dies eine Übertreibung.

(mda)

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 26. April 2021 06:46
aktualisiert: 26. April 2021 11:49