Fit zur Operation

Gegen Blutknappheit: Zuger Kantonsspital lanciert Pilotprojekt

Sophie Müller, 28. Januar 2021, 19:01 Uhr
«Patient Blood Management» soll helfen, um weniger Blutkonserven zu verbrauchen. (Symbolbild)
© KEYSTONE/Christian Beutler
Blut ist ein knappes Gut – zeigt sich auch in der aktuellen Corona-Krise. Ansetzen kann man gemäss Experten insbesondere bei den Reserven während und nach Operationen. Beim Zuger Kantonsspital läuft ein entsprechendes Pilotprojekt.

«Patient Blood Management» heisst das Konzept, für welches sich «Alliance Rouge» in der Schweiz starkmacht und bei welchem es mit einem sorgsamen Umgang mit patienteneigenem und Spenderblut gewährleisten soll. «Wer fit in den Operationssaal kommt, wird das Spital mit hoher Wahrscheinlichkeit auch früher wieder verlassen können», erklärt es Hämatologe Behrouz Mansouri Taleghani, Präsident wissenschaftlicher Beirat der Organisation.

Das Konzept wird von der Weltgesundheitsorganisation empfohlen. Aktuelle Studien belegen, dass Patienten in Spitälern mit «Patient Blood Management» deutlich weniger Komplikationen haben, die Sterblichkeit tiefer ist und weniger Blutkonserven verbraucht werden. Letzteres ist insbesondere in der Corona-Krise wichtig, da die Blutkonserven gewisser Blutgruppen gemäss Blutspende SRK Schweiz auch jetzt wieder auf einem bedrohlich tiefen Niveau sind.

Sicherheit erhöhen, Kosten sparen

Aus diesen Gründen habe sich das Zuger Kantonsspital in Baar für das Pilotprojekt entschieden, erklärt Severin Urech, Chefarzt Anästhesie und Intensivmedizin: «Zahlreiche Untersuchungen haben gezeigt, dass Spenderblut-Transfusionen zu vermehrten Infektionen, längerem Spitalaufenthalt, höheren Behandlungskosten und schlechterem Operationsresultat führen können.» Sie sollten daher soweit möglich verhindert werden und wenn, dann nach strengen Kriterien erfolgen.

Zudem sei es selten, dass man gleichzeitig die Patientensicherheit erhöhen und die Kosten für die Allgemeinheit senken kann. «Patient Blood Management» wir im Zuger Kantonsspital aktuell in einer operativen Klinik umgesetzt. Bis Mitte 2021 soll es jedoch spitalweit angewandt und die entsprechende Zusammenarbeit mit den Hausärzten intensiviert werden.

Drei Säulen von «Patient Blood Management»

«Patient Blood Management» ist mit drei Säulen aufgebaut:

  1. Mindestens drei Wochen vor einer Operation werden der Hämoglobin-Wert und der Eisenstatus des Patienten bestimmt und allfällige Mängel behoben.  
  2. Bei der Operation werden Techniken angewendet, bei denen möglichst wenig Blut fliesst. Blutungen werden rasch gestillt und verlorenes Blut zurückgewonnen. 
  3. Bei Blutarmut während und nach der Operation werden Transfusionen zurückhaltend eingesetzt. Hierzu hilft auch eine ausreichende Sauerstoffversorgung.  

Im Projektvideo erklären dir Urech und Mansouri Taleghani, weshalb sie von «Patient Blood Management» überzeugt sind und welche Herausforderungen das Konzept mit sich bringt.

(mso)

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 28. Januar 2021 19:06
aktualisiert: 28. Januar 2021 19:01