Homeoffice-Pflicht

Sinnvoll oder nicht? So reagieren die Arbeitsverbände

14. Januar 2021, 06:34 Uhr
Homeoffice wird ab dem kommenden Montag zur Pflicht. (Symbolbild)
© GettyImages, MoMo Productions
Ab nächstem Montag gilt in der gesamten Schweiz die Homeoffice-Pflicht. Die Regelung ist stark umstritten und lässt gewissen Interpretationsspielraum. So unterscheiden sich auch die Reaktionen der betroffenen Verbände.

Ab dem 18. Januar gilt neu schweizweit die Homeoffice-Pflicht. Wo möglich und mit verhältnismässigem Aufwand umsetzbar, muss ab nächstem Montag von Zuhause aus gearbeitet werden. Die Arbeitgeber müssen dafür sorgen, dass ihre Mitarbeiter ihre Pflichten von zu Hause aus erfüllen können und müssen geeignete organisatorische und technische Massnahmen treffen. Eine Entschädigung für die Auslagen (z.B. Stromkosten) schuldet der Arbeitgeber dem Mitarbeiter nicht. So steht es in der Verordnung des Bundes.

Positive Rückmeldungen der Arbeitnehmerverbände

Hansjörg Schmid, Kommunikations-Chef vom Arbeitnehmerverband Angestellte Schweiz, begrüsst die getroffenen Massnahmen. «Wir haben es seit längerer Zeit erwartet», sagt Schmid. Die Homeoffice-Pflicht sei absolut sinnvoll und soll, wenn immer möglich, auch umgesetzt werden.

Dies sieht auch Luzian Franzini, Präsident des Gewerkschaftsbund Zug, so. «Angesichts der pandemischen Entwicklung ist es richtig, dass der Bundesrat handelt», sagt er. Jedoch sei es wichtig, dass weiterhin auch alle Arbeitsgesetze eingehalten werden. «Spesen und Auslagen, welche beim Arbeitnehmer entstehen, sollen auch während dem Homeoffice entgolten werden», führt Franzini aus.

Luzian Franzini, Präsident des Gewerkschaftsbund Kanton Zug

© Luzian Franzini

Sowohl Schmid wie auch Franzini sind sich jedoch einig, dass die Formulierung «wenn möglich und mit verhältnismässigem Aufwand» einen grossen Spielraum für die Arbeitgeber offenlässt. «Die Formulierung ist relativ allgemein und wie diese Pflicht genau umgesetzt werden soll, wird sich erst noch zeigen», sagt Franzini.

Arbeitgeber vor den Kopf gestossen

Ein wenig anders sieht es bei den Arbeitgebern aus. Adrian Derungs, Direktor der Industrie- und Handelskammer Zentralschweiz, ist überrascht ob dem Bundesratsentscheid: «Wir haben gewusst, dass über eine Homeoffice-Pflicht diskutiert wird. Wir haben aber nicht damit gerechnet, dass diese tatsächlich eingeführt werde». Er verstehe die Verschärfung, befürwortete die Pflicht jedoch nicht. «Wir glauben nicht, dass eine Homeoffice-Pflicht einen sinnvollen und effizienten Beitrag leistet.»

Homeoffice werde bereits von jenen Unternehmen umgesetzt, die das sinnvoll tun können, meint Derungs und fügt hinzu: «Ich denke nicht, dass diese Pflicht enorm viel verändern wird, denn Homeoffice ist schlicht nicht für alle Aktivitäten, Branchen und Tätigkeiten praktikabel». Der Spielraum (mit verhältnismässigem Aufwand) sei notwendig für die Arbeitgeber. «Jedes Unternehmen weiss am besten, wie es den Gesundheitsschutz seiner Mitarbeiter gewährleisten kann», erläutert Derungs.

Adrian Derungs sieht die Pflicht zum Homeoffice eher kritisch. (Archivbild)

© Tele 1

Und diese Gesundheit der Arbeitnehmer sei für die Arbeitgeber das höchste Gut der Stunde. Dafür benötigt es von allen viel Geduld. Es sei deshalb umso wichtiger, dass man die Impfstrategie des Bundes so schnell wie möglich umsetzen werde. «Das ist unser Lichtblick für die Zukunft», so Derungs.

(red.)

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 14. Januar 2021 06:22
aktualisiert: 14. Januar 2021 06:34