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Corona-Frust

Was macht die Corona-Krise mit unserer Psyche?

Sven Brun, 7. November 2020, 13:29 Uhr
Psychische Probleme während der Coronapandemie
© Symbolbild, Pixabay
Vereinsaktivitäten und Freizeitanlässe sind abgesagt, es wird empfohlen zu Hause zu bleiben. Was können wir gegen Vereinsamung, Ängste und Langeweile tun?

Uns fehlt die Zeit im Fussballstadion, das gemeinsame Theaterspielen, das Feiern mit unseren Freunden oder einfach ein maskenfreier Tag im Büro. Viele von uns haben solch starke Eingriffe in den Alltag noch nie zuvor erlebt. Auch wenn wir uns anfangs sicherlich nicht über mehr Zeit für andere Beschäftigungen beschwert haben, mittlerweile wird die psychische Last doch immer grösser.

Das Coronavirus ist deshalb längst nicht nur ein gesundheitliches Problem, sondern auch ein psychisches. «Wir sind eingeschränkt und fühlen uns eingeengt», sagt Psychotherapeutin Renate Fietz. Vor allem bereits psychisch angeschlagene Menschen leiden noch stärker darunter. Uns plagen existenzielle Ängste und Einsamkeit.

Laut einer Studie des BAG, die gemäss «SRF» in den nächsten Tagen erscheinen soll, gibt es Hinweise darauf, dass Suizidgedanken in der Schweizer Bevölkerung zugenommen haben. Internet Plattformen für Hilfsangebote würden deutlich mehr genutzt, die Nachfrage nach psychologischer Unterstützung habe zugenommen.

Auch die Kantone sind sich dessen bewusst. Wie der Kanton Uri in einer Medienmitteilung schreibt, können die Massnahmen verunsichern, belasten oder wütend machen. Deshalb sei es umso wichtiger, dass man seine eigenen Gefühle wahrnimmt und wenn nötig professionelle Hilfe beansprucht. Helfen kann auch die App «Wie geht’s dir?», welche dabei unterstützt, die eigenen Gefühle präziser zu benennen und dazu passende Tipps zur Stärkung der eigenen psychischen Gesundheit vermittelt.

Wie können wir nun zu unserer eigenen Psyche Sorge tragen? Psychotherapeutin Fietz meint, dass wir uns möglichst viel Gutes tun sollen. Sei das ein heisses Schaumbad, im Wald spazieren oder eine Komödie schauen. «Akzeptieren und vorwärtsschauen!», sagt Fietz. Es helfe nicht, dauernd darüber zu sprechen, denn ändern könne man es nicht.

Wir müssen lernen, damit umzugehen. Anstatt gemeinsamen Trainings in der Halle gibt es neu eine Videokonferenz, das Chorsingen macht Platz für ein Singvideo und die Erfindung eines neuen Gesellschaftsspiels kompensiert den Konzertbesuch. Es wird Zeit, neben unserer körperlichen Gesundheit auch auf unsere seelische Gesundheit zu achten.

Sven Brun
Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 7. November 2020 16:04
aktualisiert: 7. November 2020 13:29