Masken-Flunker und Club-Bashing

Wie hoch ist das Vertrauen in das BAG?

Mario Trlaja, 3. August 2020, 19:22 Uhr
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Quelle: PilatusToday

Nachdem die BAG-Zahlen zu den Corona-Infektionen in den Clubs korrigiert werden mussten, kamen Falschaussagen zur Wirksamkeit der Schutzmasken ans Licht. Das Bundesamt für Gesundheit tut gut daran, das Vertrauen der Bevölkerung nicht aufs Spiel zu setzen. Aus der Politik gibt es erste Forderungen von Gesetzesänderungen.

«Die Schweiz verhäbt, sie hält zusammen», bedankte sich Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga an ihrer 1. August-Ansprache. Die letzten Monate hätten gezeigt, dass es sowohl Bund und Kantone als auch die Bevölkerung brauche. Nur gemeinsam könne man die weitere Verbreitung des Virus in Zeiten steigender Fallzahlen stoppen.

Heiligt der Zweck die Mittel?

Doch Solidarität und Vertrauen beruhen immer auf Gegenseitigkeit. Ihr Fundament ist die Ehrlichkeit. Mit genau diesem Punkt nahm es das BAG aber nicht sehr genau. Wie PilatusToday berichtete, belegen interne Protokolle, dass die Wirksamkeit von Schutzmasken in der Vergangenheit aufgrund mangelnder Verfügbarkeit runtergespielt wurde. Monate später sieht sich die Bevölkerung mit Maskenpflicht im öffentlichen Verkehr und an Schulen konfrontiert. «Notlüge», um keine Panik zu verbreiten oder schwerer Vertrauensbruch?

Folgt nach der Krise die Gesetzesänderung?

Yvette Estermann sieht die Glaubwürdigkeit des BAG gefährdet.
© Anthony Anex / Keystone

Das Schweizer Epidemiengesetz verleihe dem Bund zu viel Macht, sagt SVP-Nationalrätin Yvette Estermann. «Als ich mich gegen das Gesetz wehrte, wurde ich belächelt. Solche Extremfälle würden sowieso nicht eintreffen. Jetzt sind wir mitten in der Krise und den Kantonen sind die Hände gebunden», sagt Estermann. Auf die Zukunft angesprochen, sagt sie: «Ich überlege mir, eine Änderung des Epidemiengesetzes zu prüfen.»

Auch die vom BAG kommunizierten, falschen Zahlen über die Ansteckungsquote in Clubs überraschen Yvette Estermann nicht. Es sei nicht das erste Mal, dass das BAG in der Coronakrise gemachte Aussagen wieder dementieren musste. «Diese Leute sollten dringend an ihrer Glaubwürdigkeit arbeiten. Die Bevölkerung wird dadurch nur verunsichert.»

Sie fordert vom BAG eine engere Zusammenarbeit mit Schweizer Ärzten und Ärztinnen. «Diese wissen am besten über Fallzahlen und Ansteckungsherde Bescheid. Darauf können wir uns verlassen und nicht auf Massnahmen aus der EU oder der WHO.»

BAG: «Mussten die Zahlen rasch aufbereiten»

Das Bundesamt für Gesundheit nahm schriftlich zum Zahlendreher bei den Club-Ansteckungen Stellung. Für eine Medienanfrage hätten die Zahlen rasch aufbereitet werden müssen, wobei einem Mitarbeiter ein Fehler unterlaufen sei. Man lerne aus solchen Pannen und überprüfe laufend die Prozesse, schreibt das BAG.

David Roth zeigt Verständnis

Man habe die Massnahmen umgesetzt, die möglich waren, sagt Kantonsrat David Roth.
© Urs Flüeler / Keystone

Die Fehler des BAG hätten nicht passieren dürfen, meint SP-Kantonsrat David Roth. Es sei aber wichtig, nicht auf dem BAG herumzuhacken. Es habe im Frühjahr zu wenig Masken gegeben, um diese an die ganze Bevölkerung zu verteilen, sagt Roth. «Man hat keine Massnahme versäumt, die möglich gewesen wäre, sondern diejenigen Massnahmen ergriffen, die praktikabel waren. Das ist es, was zählt.»

Was es jetzt brauche, sei eine konsequente Umsetzung der geltenden Massnahmen. Dazu brauche es die Unterstützung in der Bevölkerung, sagt David Roth.

Bevölkerung vertraut dem BAG

«Das Vertrauen ist noch da. Ein Teil ist aber verloren gegangen», sagt Michael Klaentschi aus Luzern. Die Mehrheit der befragten Passanten sieht es ähnlich. Auch wenn er nicht alles glaube, auf das meiste könne er sich aber verlassen, meint etwa Hanspeter Wangler aus Luzern. Das findet auch Ian Colquhoun: «Ich nehme alles mit einer gewissen Portion Skepsis. Ich erwarte aber auch nicht, dass jemand alles wissen kann.»

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 3. August 2020 18:58
aktualisiert: 3. August 2020 19:22