Testcenter-Betreiber

«Wir müssen 80 Prozent der Belegschaft kurzfristig ausplanen»

18. Februar 2022, 12:35 Uhr
Die Massnahmen-Lockerungen bedeuten auch grosse Veränderungen für die Testcentren. Mit dem Wegfall der Zertifikatspflicht wird in der Schweiz künftig massiv weniger getestet. Die Folge davon sind Kündigungen und unsichere Zukunftsaussichten.
Aufgrund der Lockerungen müssen Kapazitäten in Testcentern abgebaut werden.
© KEYSTONE/ENNIO LEANZA

Jede Medaille hat auch eine Kehrseite. Dies gilt auch für die Neuigkeiten von Mittwoch. Die einen freut das Ende der Zertifikatspflicht, andere kostet es den Haupt-, Neben- oder Studentenjob.

Christian Arnold, Mitinhaber von «Coronatest24» sagt gegenüber PilatusToday und Tele 1: «Wir müssen 70-80 Prozent unserer Mitarbeitenden, welche als Freelancer bei uns gearbeitet haben, kurzfristig ausplanen.» Insgesamt beschäftigt Arnold rund 80 Personen, festangestellt oder als Pool-Angestellte. So oder so: Viele von ihnen, insbesondere das administrative Personal, werden nun nicht mehr benötigt. «Das tut schon weh», sagt er.

Kritik an der Politik

«Coronatest24» betreibt im Kanton Luzern vier Testcentren. Arbeitsverträge wurden wie in der Gesundheitsbranche üblich mit einer Kündigungsfrist von drei Monaten ausgestellt. «Die Löhne und Raummieten müssen weitergezahlt werden, obwohl wir die Kapazitäten nicht mehr benötigen», sagt Arnold. Ansatzweise gelöst werden soll dieses Problem mit der Möglichkeit der Kurzarbeitsentschädigung. Ob man diese auch erhalten wird, sei offen.

Dies besänftigt den Frust bei Christian Arnold jedoch nicht. Er ist aus fachlicher Sicht verärgert aufgrund des Vorgehens seitens Behörden: «Mich enttäuscht es, dass kaum Wertschätzung gegenüber dem Testcenter-Personal gezeigt wird.» Dass den Menschen, welche in den vergangenen beiden Jahren so viel für die Gesellschaft geleistet hätten, einfach so den Boden unter den Füssen weggezogen werde, sei nicht richtig. «Der Umgang der Politik ist fragwürdig und mehrheitlich wirtschaftlich orientiert», sagt er.

Wie weiter?

Christian Arnold stellt auch die Frage, ob die Politik diesen Schritt gut durchdacht hat. «Falls die Situation in Zukunft wieder schwieriger wird, auch wegen der Fasnacht, kann man kurzfristig kaum genügend Kapazitäten schaffen», meint er. Arnold wie auch viele weitere Testcenter-Betreiber überlegen sich nämlich, ob man nicht gleich komplett schliessen will. Denn: «Die Luft ist langsam raus bei den Mitarbeitenden und den Verantwortlichen. Das ständige Auf und Ab ist mühsam. Von heute auf morgen müssen zuerst Hunderte Tests mehr gemacht werden und nun wird alles wieder runtergefahren», sagt Arnold.

Vielen seiner Mitarbeitenden kann Christian Arnold keine Lösung für die Zukunft anbieten, wenn keine Unterstützung in From von Kurzarbeitsentschädigung erfolgt. Für sie und für viele weitere gilt nun, sich neu zu orientieren.

(bsv)

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 18. Februar 2022 12:18
aktualisiert: 18. Februar 2022 12:35
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