Offizieller Impfstart

Zentralschweizer Kantone hoffen auf schnellere Lieferungen

Irene Müller, 4. Januar 2021, 19:08 Uhr
Werbung

Quelle: Tele 1

Pünktlich zum Beginn der grossen nationalen Impf-Aktion hagelte es bereits Kritik: Der Bundesrat habe viel zu wenig Dosen bestellt, wetterte beispielsweise Ex-FDP-Präsident Philipp Müller. Auch die Innerschweizer Kantone hoffen in den nächsten Wochen auf zügigere Lieferungen. Sie sind bereit für die grosse Impf-Kampagne.

Der Zuger Gesundheitsdirektor windet seinem Team ein Kränzchen. «Ich bin fasziniert, wie die Leute über die Festtage gearbeitet haben und innert zwei Wochen das Impfzentrum bereitgestellt haben», sagt Martin Pfister. Die Kritik am Bundesrat hält er für völlig übertrieben. Er ist überzeugt, dass sich rechtzeitig und umsichtig um Impfdosen bemüht wurde, und diese sehr bald in grossen Mengen zur Verfügung stehen werden.

Pfister versteht das Bedürfnis nach einer schnellen Impfung, hält es aber für wichtiger, dass Swissmedic die Impfstoffe unabhängig von politischem und öffentlichem Druck korrekt zulässt. «Im Moment braucht es noch etwas Geduld.»

Täglich über 1'000 Impfungen möglich

Der Kanton Zug habe in einer ersten Lieferung bereits 1'950 Impfdosen erhalten, am Dienstag werden weitere Dosen erwartet. Bis Ende Januar sollen dem Kanton Zug knapp 6'000 Dosen zur Verfügung stehen. Bis im Februar sollen sämtliche Alters- und Pflegeheimbewohner, sowie alle über 75-Jährigen, geimpft sein.

Falls in den nächsten Tagen ein weiterer Impfstoff zugelassen wird, können auch bald mehr Menschen geimpft werden. «Der Kanton Zug ist bereit, täglich über 1'000 Personen im Impfzentrum und mit mobilen Equipen zu impfen», versichert der Gesundheitsdirektor. «Je nach Zulassung von geeigneten Impfstoffen werden bald auch Ärzte und Apotheken impfen können.»

Luzern drückt aufs Gaspedal

Etwas vorwurfsvoller tönt es im Kanton Luzern – trotz, oder gerade wegen seiner Vorreiterrolle. «Es ist korrekt, dass wir gerne mehr Impfdosen von mehreren Herstellern hätten», schreibt der Leiter der Dienststelle Gesundheit und Sport David Dürr auf Anfrage. Denn das würde die Planung vereinfachen und die Geschwindigkeit beim Impfen erhöhen.

Gemäss Plan des Gesundheits- und Sozialdepartements könnten bis Ende Februar sämtliche Bewohner und Mitarbeiter der Alters- und Pflegeheime bereits mit der zweiten Dose geimpft sein. Bis am 24. Januar werden rund 15'000 Impfdosen erwartet. Dazu könnten – je nach Zulassungszeitpunkt und verfügbaren Impfdosen – bis Ende Januar noch fast dreimal so viel von Moderna kommen.

Lieferengpass auch wegen globaler Nachfrage

Auch im Kanton Nidwalden wurde bereits vor Weihnachten mit der Impfaktion gestartet. Ein knappes Fünftel der bisher fast 1'000 gelieferten Impfdosen seien bereits verwendet worden, heisst es vom Gesundheitsamt. Diese Woche werden zwar weitere Impfdosen erwartet, wann es wieder Nachschub gibt, hänge allerdings von mehreren Faktoren ab.

«Nicht nur die zu geringen Bestellungen des Bundes, sondern die global grosse Nachfrage und damit verbundene Lieferverzögerungen bei den Herstellern sind eine Herausforderung», heisst es von der Leiterin des Gesundheitsamts Karen Dörr.

Zögerlicher Start in Obwalden und Uri

Die beiden Kantone Obwalden und Uri haben heute Montag als letzte Zentralschweizer Kantone mit ihren Impfkampagnen begonnen. Bis Ende Woche werde eine erste Runde von Impfungen in allen Alters- und Pflegeheimen im Kanton Obwalden abgeschlossen sein, teilte das Obwaldner Gesundheitsamt am Montag mit.

Der aktuelle Bestand sei zwar knapp, aber reiche um gemäss Strategie des Bundes in der aktuellen Phase die besonders vulnerablen Personen in den Heimen sowie das Personal impfen zu können. Ein Impfzentrum werde erst Thema, wenn mehr Impfstoff vorhanden sei. Dann könnten sich auch weitere Personengruppen impfen lassen.

Der 80-jährige Der 80-jährige Max Clapasson aus Altdorf wurde am Montag als erste Person im Kanton Uri gegen Corona geimpft.
© KEYSTONE/URS FLUEELER

In Uri ist neben dem Impfzentrum im Kantonsspital ein mobiles Impfteam im Einsatz, um Personen in Alters- und Pflegeheimen zu impfen. Wer sich impfen lassen will, kann telefonisch einen Termin vereinbaren.

Weitere 125'000 Impfdosen angekommen

Für Risikogruppen gibt es gute Nachrichten: Am 4. Januar sind 125'000 weitere Impfdosen gegen das Coronavirus in der Schweiz eingetroffen. Dies bestätigt das BAG auf Anfrage von «BLICK». Das ist die Hälfte der erwarteten Dosen im Januar von Biontech/Pfizer.

Die Kantone können nun also nochmals 62'500 Menschen impfen – und die nächste Lieferung sollte auch nicht mehr lange auf sich warten lassen.

Impfkritiker wehren sich gegen Impfzwang

Für eine Herdenimmunität müssten sich 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung impfen. Was ist aber, wenn man das gar nicht will? Impfkritiker sammeln seit einem Monat fleissig Unterschriften gegen einen Impfzwang.

Einer der Kritiker ist der ehemalige Luzerner SVP-Politiker Richard Koller.

Werbung

Quelle: Tele 1

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 4. Januar 2021 18:37
aktualisiert: 4. Januar 2021 19:08