30 Jahre «Tschernobyl»

12. April 2016, 14:52 Uhr
Heute vor genau 30 Jahren ereignete sich die Atomkatastrophe von Tschernobyl

Tschernobyl: 30 Jahre nach der Katastrophe

Tschernobyl: Menschen erinnern sich

Am. 26 April 1986 ereignete sich im Atomkraftwerk Tschernobyl in der heutigen Ukraine die schlimmste Atomkatastrophe, die es bisher gab. Auch 30 Jahre nach dem Unglück sind die Städte um das ehemalige Atomkraftwerk verlassen und vermitteln eine unheimliche Angst vor der unsichtbaren Gefahr der radioaktiven Strahlung.

In der Nacht auf den 26. April 1986 war im Block 4 des Atomkraftwerks von Tschernobyl ein Sicherheitstest geplant. Dieser Test sollte einen Stromausfall simulieren und aufzeigen, dass auch in einem solchen Notfall die Kontrolle über das Atomkraftwerk behalten werden kann. Doch nur wenige Sekunden nach Beginn stellten die Ingenieure Probleme fest. Der Reaktor verlor zu schnell an Leistung. Trotzdem wurde der Test fortgesetzt - streng nach Vorschriften. Als man sich im Anschluss trotzdem entscheidet, den Versuch abzubrechen, kommt es nur wenig später zur Explosion.

1000 Tonnen Dach gesprengt

Mit unglaublicher kraft sprengt die Explosion das 1000 Tonnen schwere Dach von Block 4 des Atomkraftwerks von Tschernobyl. Tödliche radioaktive Strahlen aus dem Reaktor gelangen nach draussen. Trotzdem versuchen die Behörden den Vorfall geheim zu halten. Anwohner der nahen Stadt Pripyat sind der Strahlung während Tagen ausgesetzt. Die unsichtbare Gefahr wird nicht wahrgenommen. Erst als in einem schwedischen Atomkraftwerk erhöhte radioaktive Werte gemessen werden, kommt der Verdacht eines sogenannten Super Gaus im Osten auf.

Evakuation und Sarkophag

Erst einige Tage nach dem Super Gau beginnen die Behörden der damaligen Sowjetunion über den Vorfall zu Informieren. Die nahe Stadt Pripyat wird innert Stunden evakuiert. Die Anwohner müssen ihre Heimat verlassen und können dabei nur das Allernötigste mitnehmen. Um zu verhindern, dass die radioaktive Strahlung ungehindert austritt, beginnen die Kraftwerkbetreiber einen gigantischen Sarkophag aus Metall und Beton über den Reaktor zu bauen. Dabei werden tausende Arbeiter der gefährlichen Strahlung ausgesetzt. Trotzdem werden die Arbeiten fortgeführt, um das Ausmass der Katastrophe einzuschränken.

Auch heute noch ist Pripyat eine Geisterstadt, die mit jedem Jahr mehr und mehr von der Natur zurückerobert wird. Einige eindrückliche Aufnahmen der Stadt aus dem Jahr 2014 gibt es im untenstehenden Video.

Folgen der Atomkatastrophe

Über die Folgen des Unglücks streiten sich die Experten bis heute. Von einigen tausend Folge-Todesfällen bis über 1 Million gehen die Schätzungen weit auseinander. Auch in der Schweiz wurde die Bevölkerung vor der gefährlichen Strahlung gewarnt. Beispielsweise wurde davon abgeraten, Wildpilze zu essen, da im Boden erhöhte Strahlenwerte gemessen wurden. Laut dem Bundesamt für Gesundheit war besonders das Tessin betroffen. Experten gehen von rund 200 zusätzlichen Krebstodesfällen in der Schweiz als Folge des Unfalls aus.

veröffentlicht: 26. April 2016 05:00
aktualisiert: 12. April 2016 14:52