Barack Obamas iPod-Liste

12. Juni 2015, 05:20 Uhr

Die Popmusik stand lange im Verdacht, labile Menschen auf den falschen Weg zu führen. Heute wirkt sie als vertrauensbildende Massnahme. Das herkömmliche Wahlversprechen fällt inzwischen deutlich ab hinter der feierlichen Öffnung eines iPods. Dass Barack Obama seinen Präsidentschaftskanditaten-iPod für den Wahlkampf nutzt, ist keine Überraschung. Auch der Inhalt nicht. Die Wiedergabelisten stellt Obama nun im Musikmagazin Rolling Stone vor. Schon im März zeigte das Magazin den Hoffnungsträger auf dem Titel und sprach damit eine dringende Wahlempfehlung für den Herbst aus.

Auch Bob Dylan und Bruce Springsteen hat Obama nicht vergessen. Beide haben sich bereits als Wahlhelfer geäussert. „Er hat nie geleugnet, wo er herkommt“, sagt Obama über Springsteen. Bei Bob Dylans „Maggie’s Farm“ lobt der Senator die politische Rhetorik und die Botschaft, nicht auf andere zu hören und sich selber treu zu bleiben.

Etwa 30 Stücke von Bob Dylan finden in Obamas iPod Obdach. Dazu das entschlossene Schutzversprechen „Gimme Shelter“ von den Rolling Stones. Das ist das schöne an der Popmusik, die Lieder fallen immer auf den Hörer selbst zurück. Die Sänger ebenfalls. „Sie sind Ikonen“, stellt Obama zu Bob Dylan und Bruce Springsteen fest.

Wer ist Obamas Held? Er legt sich fest auf Stevie Wonder. Von klein auf hat Stevie Wonder mit den Zuständen Amerikas gerungen aber nie den Glauben aufgegeben an ein friedfertiges Miteinander. Selbstverständlich führt der Mann der Zukunft auch die Klassiker von Charlie Parker, John Coltrane sowie Miles Davis mit sich. Ohne Tradition kein Fortschritt.

Ohne Jazz und Soul gäbe es keinen HipHop, lehrt Barack Obamas iPod. Dass der HipHop bei Obama einigen Speicherplatz belegt, sorgt für den nötigen Gesprächsstoff. Es geht hauptsächlich um Jay-Z, einen ehemaligen Gangster-Rapper. Allerdings arbeitet Jay-Z heute als Geschäftsführer der liberalen Plattenfirma Def Jam, und er kämpft für besseres Trinkwasser für Afrika, das ist vom Ghetto mit seinen rüden Umgangsformen denkbar weit entfernt.

„Ganz schön eklektisch“, schätzt Obama selbst den eigenen iPod ein. „Alles von Howlin’ Wolf über Yo-Yo Ma bis Sheryl Crow.“ Mit Sheryl Crow hat er die weisse Unterschicht zumindest nicht vergessen. Aber ob ihm diese nicht ganz unwichtige Wählergruppe den Verzicht auf sauberen Country, ungewaschenen Heavy Metal und Kid Rock verzeihen können, wird der 4. November zeigen. George W. Bush verliess sich übrigens auf einen ausschliesslich mit weissem Klassikrock und Country abgefüllten Präsidenten-iPod.

veröffentlicht: 1. Januar 2000 00:00
aktualisiert: 12. Juni 2015 05:20
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