Coronavirus erreicht Deutschland

28. Januar 2020, 04:45 Uhr
Erster Coronavirus-Fall in Deutschland bestätigt
© Keystone-SDA
Erster Coronavirus-Fall in Deutschland bestätigt

In Deutschland ist erstmals eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus bestätigt worden. Ein Mann aus dem Landkreis Starnberg in Bayern habe sich infiziert.

Dies teilte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums in München am späten Montagabend mit. Der Patient befindet sich nach Angaben der "Task Force Infektiologie" des Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) klinisch in einem guten Zustand, wie es in einer Mitteilung weiter hiess. "Er wird medizinisch überwacht und ist isoliert."

Menschen, die engen Kontakt mit dem Patienten hatten, würden ausführlich aufgeklärt und über mögliche Symptome, Hygienemassnahmen und Übertragungswege informiert.

Geringes Risiko

Das bayerische Gesundheitsministerium und das LGL wollen die Öffentlichkeit am Dienstagvormittag bei einer Pressekonferenz informieren, hiess es weiter. Der Ministeriumssprecher betonte: "Das Risiko für die Bevölkerung in Bayern, sich mit dem neuartigen Coronavirus zu infizieren, wird von der "Task Force Infektiologie" des LGL und vom Robert Koch-Institut (RKI) derzeit als gering erachtet."

Die Zahl der Toten in China stieg unterdessen auf 106, wie die chinesische Regierung am Dienstag mitteilte. Ferner wurden 1291 neue Fälle von Erkrankungen durch den Erreger verzeichnet, womit die offizielle Gesamtzahl der Krankheitsfälle in der Volksrepublik auf mehr als 4000 stieg.

Das neue Virus stammt ursprünglich vermutlich von einem Markt in Wuhan, wo es wohl von dort gehandelten Wildtieren auf den Menschen übersprang. China hat im Kampf gegen eine weitere Ausbreitung drastische Massnahmen ergriffen: In der Provinz Hubei wurden mehr als 45 Millionen Menschen weitgehend von der Aussenwelt abgeschottet. Fern- und Nahverkehr wurden gestoppt. Am Montag erlag erstmals in der Hauptstadt Peking ein Mann der durch das Virus ausgelösten Lungenkrankheit.

Milderung der Symptome

Eine schützende Impfung oder eine spezielle Therapie zur Behandlung der Erkrankung gibt es nicht. Die Symptome können aber mit Medikamenten gemildert werden.

Nach derzeitiger Einschätzung von Experten verläuft die neuartige Lungenkrankheit offenbar in den meisten Fällen mild, möglicherweise sogar ohne Symptome. Von den in China registrierten Todesfällen gehen die meisten nach bisherigen Erkenntnissen auf ältere Patienten mit schweren Vorerkrankungen zurück.

Wegen der neuen Lungenkrankheit in China wollen immer mehr Länder ihre Staatsangehörigen aus den besonders betroffenen Regionen zurückholen. "Wir arbeiten an einer Möglichkeit für britische Staatsangehörige, die Hubei-Provinz zu verlassen", hiess es am Montag von der britischen Regierung.

Zahlreiche Reisewarnungen

Belgien bot Landsleuten in Wuhan und der Provinz Hubei die Rückkehr an, auch die Niederlande, Dänemark und weitere Länder prüften Möglichkeiten, Staatsbürger auszufliegen. Andere Länder wie Japan, Frankreich und die USA haben solche Rückholaktionen bereits in die Wege geleitet.

Das US-Aussenministerium rät Amerikanern derweil von Reisen nach China ab. Vor allem sollte auf Besuche der besonders betroffenen Provinz Hubei rund um die Stadt Wuhan verzichtet werden, teilt das Ministerium mit. Wer dennoch in die Volksrepublik fahre, müsse sich vor Ort auf kurzfristige Reisebeschränkungen der chinesischen Behörden einstellen. Auch Kanada rät seinen Staatsbürgern von allen Reisen in die besonders betroffene chinesische Provinz Hubei ab. Grund sei die Auferlegung von Reisebeschränkungen wegen des Coronavirus, teilte die kanadische Regierung am Montag (Ortszeit) mit.

(Quelle: sda)

veröffentlicht: 28. Januar 2020 04:43
aktualisiert: 28. Januar 2020 04:45