«Es geht nicht um Buddha, Shiva oder Allah»

5. Februar 2020, 19:57 Uhr
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Roger Stutz, Leiter «Shaolin Tempel Luzern», meditiert mit Fünftklässlern

Burnout am Arbeitsplatz: Die Kaffemaschine im Dauerstress und Bildschirme, die müde Gesichter reflektieren. Der Arbeitsalltag ist geprägt vom Stress. Persönliche Krisen beschäftigen nicht nur die Erwachsenen, schon Kindergärtner ringen mit ihren Emotionen. Wie die Kleinen mit Stress umgehen können, das lehren die Schweizer Schulen noch nicht. Aber mögliche Lösungen könnten sich langsam in den Stundenplan einschleichen.

Es ist mucksmäuschenstill still im Klassenraum des Mattli Schulhauses in Kastanienbaum. Alle 20 Schüler sitzen im Schneidersitz, einzig ein Kissen gibt Komfort. Man hört bloss die Uhr ticken und ganze zwei Minuten vergehen. Sobald die Klangschale ertönt, ist es Zeit, die Augen wieder zu öffnen. Auch dies geschieht leise.

«Wie hat sich das angefühlt? », sofort sucht Roger Stutz, ehemaliger Shaolin-Mönch, das Gespräch mit der Klasse. Der 40-Jährige zeigt, wie sich die Kinder entspannen können. Er erklärt die Haltung, führt durch eine erste Atemübung und ignoriert dabei alle religiösen Schlagwörter. Er spricht von Liebe und Hass, wie sich diese Emotionen auf unsere Mitmenschen auswirken und durch Teilen nur grösser werden. 

In England und Kanada bereits Schulfach

In England und Kanada gibt es bereits Bestrebungen, den frühen Anzeichen von einem Burnout entgegenzuwirken. In Öffentlichen Schulen steht das Fach «Mindfullness» (Achtsamkeit) auf dem Stundenplan. Eine Schulstunde, in der sich die Klasse mit Yoga, Meditation und Emotionen beschäftigt. Auch in der Schweiz gibt es einige Lehrerinnen und Lehrer, die das Fach «Achtsamkeit» gerne unterrichten würden, doch Weiterbildungen werden momentan noch nicht an der Pädagogischen Hochschule angeboten. 

Die 5. Klasse im Kastanienbaum hat die Stunde sehr positiv aufgenommen. «Ich fühle mich jetzt viel entspannter», reflektiert der Schüler Nick Schneider und beteuert, heute etwas Wichtiges gelernt zu haben. 

veröffentlicht: 5. Februar 2020 16:26
aktualisiert: 5. Februar 2020 19:57