Eurobus stellt Fernbusse von «Swiss-Express» ein

30. Oktober 2019, 16:49 Uhr
Betroffen ist auch die Verbindung Zürich-Basel-Luzern-Lugano
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Betroffen ist auch die Verbindung Zürich-Basel-Luzern-Lugano

Der Fernbusanbieter Eurobus stellt sein innerschweizerisches Angebot mit dem Namen "Swiss-Express" per Mitte November ein. Betroffen sind sechs Busse, die auf drei öffentlichen Linien in der Schweiz unterwegs sind. Ob es zu Entlassungen kommen wird, ist unklar.

Der letzte Betriebstag werde der 15. November sein, teilte Eurobus am Mittwochabend mit. Die laufende Konzession für die täglichen Verbindungen Zürich-Basel-Luzern-Lugano, St. Gallen-Zürich-Lausanne-Genf sowie Zürich-Bern-Montreux mit jeweils mehreren Zwischenhalten sei vom Bundesamt für Verkehr (BAV) nach einem entsprechenden Gesuch auf Mitte November aufgehoben worden.

Für Kundinnen und Kunden mit einem gebuchten Ticket ab dem 16. November werde eine Lösung gesucht. Sie erhalten ihr Geld in den kommenden Wochen wohl zurück. Gespräche mit dem Vertriebspartner Flixbus laufen.

Fingerzeig für den Gesetzgeber

Der Betriebsschluss erfolgt nur rund anderthalb Jahre nach dem operativen Start der Fernbuslinien. Zwar seien die Passagierzahlen in den vergangenen Monaten gestiegen, zudem hätten die Kunden positive Rückmeldungen gegeben, die Nachfrage sei aber immer noch deutlich unter den Erwartungen geblieben, schrieb der Fernbusanbieter.

Im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA kritisierte Roger Müri, Geschäftsführer des Schweizer Geschäfts von Eurobus, die schwierigen Rahmenbedingungen: "Diese machen es einem Pionierunternehmen in einem neuen Markt sehr schwer." Die Weiterentwicklung des öffentlichen Verkehrs in der Schweiz werde damit erschwert.

"Damit Fernbusse in der Schweiz ihre Rolle als sinnvolle Ergänzung des öffentlichen Verkehrs finden können, muss es neue Regeln geben", sagte Müri. Heute könnten private Anbieter zu wenig schnell und zu wenig flexibel auf die effektive Nachfrage reagieren. Zudem fehle eine Praxis im Umgang mit neuen Konzessionsgesuchen im öffentlichen Fernverkehr.

Vergebliches Warten auf Fortschritte

So sehe sich das Unternehmen beispielsweise bis heute gezwungen, Teilstrecken oder Fahrpläne beizubehalten, für die praktisch keine Nachfrage bestehe. Die Kritik gilt unter anderem dem Bund, der die Konzessionen ausstellt: Eine im Juli 2019 eingereichte Anpassung des Fahrplans an die Kundenbedürfnisse auf den bestehenden Strecken habe bis dato nicht umgesetzt werden können, monierte Müri.

Zudem sei über gewünschte Angebotserweiterungen, wie die im öffentlichen Verkehr als Ergänzung zur Bahn erstmals geplanten Nacht- und Frühanbindungen an die Flughäfen, bis heute noch nicht entschieden worden. Die SBB hatten Anfang Woche vor den Medien betont, sie wollten solche Linien "in Zusammenarbeit mit Eurobus" realisieren.

"Ökologisch und ökonomisch nicht sinnvoll"

Nicht zuletzt aus Umweltgründen müsse er nun auf die Notbremse treten, sagte Müri. "Es ist ökologisch und ökonomisch nicht sinnvoll, auf Teilstrecken mit sehr wenigen Fahrgästen, unnötig Ressourcen zu verbrauchen." Das sei gerade mit Blick auf die aktuelle Klimadebatte nicht mehr zu verantworten.

Müri bedauerte den Schritt sehr. Sein Team habe "viel Geld und Zeit" in die Arbeit investiert. Eurobus lässt sich jedoch langfristig eine Hintertüre offen: Das Projekt "Schweizer Fernbus" werde weiterverfolgt, hiess es. Das private Personentransportunternehmen sprach deshalb auch von einem vorübergehenden Rückzug, der Betrieb werde nur "vorerst"
eingestellt.

Übriger Betrieb läuft weiter

"Wir sind bei geklärten Rahmenbedingungen gerne bereit, ein neuerliches Engagement in Betracht zu ziehen", sagte Müri. Er sei weiterhin vom Fernbuskonzept überzeugt. Bis dahin werde Eurobus weiterhin Verbindungen von der Schweiz ins Ausland und umgekehrt anbieten.

Insgesamt betreibt das zur Knecht-Gruppe gehörende Unternehmen 300 Mini-, Linien- und Reisebusse. 2018 erwirtschafteten über 500 Mitarbeitende einen Umsatz von 127 Millionen Franken. Müri zeigte sich daher zuversichtlich, dass sich für die vom innerschweizerischen Rückzug betroffenen zwanzig Mitarbeitenden teilweise eine interne Lösung finden lasse.

Quelle: sda

veröffentlicht: 30. Oktober 2019 16:41
aktualisiert: 30. Oktober 2019 16:49