Nobelpreis für Literatur geht an Doris Lessing

12. Juni 2015, 03:55 Uhr
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Überraschung in Stockholm: Doris Lessing wird mit dem diesjährigen Literaturnobelpreis ausgezeichnet. Das gab die Schwedische Akademie gestern in der schwedischen Hauptstadt bekannt. Lessing gilt als grosse alte Dame der britischen Literatur. Ihr bekanntestes Buch ist der Roman "Das goldene Notizbuch", der als bahnbrechendes Werk des Feminismus gilt. Zuletzt wurde Lessing allerdings nicht mehr als Favoritin auf den mit zehn Millionen Kronen dotierten Preis gehandelt.

Doris Lessing hat für Ehrungen eigentlich nicht viel übrig. Den Titel "Dame of the British Empire", Dame des Britischen Reiches, lehnte sie einst rigoros ab. Es sei "ekelhaft", eine Auszeichnung von etwas anzunehmen, wogegen sie jahrelang gekämpft habe. Gegen den Nobelpreis hat sie sich nie gewehrt - im Gegenteil: Seit mehr als 30 Jahren ist die grosse alte Dame der britischen Literatur für die Auszeichnung im Gespräch. Erst jetzt, wenige Tage vor ihrem 88. Geburtstag am 22. Oktober, hat sie die höchste Auszeichnung der Literaturwelt endlich bekommen.

Lessing passt in keine literarische Schublade und sie hat immer wieder provoziert. Sie verkörpert Gegensätze. Schon ihre altbackene Knotenfrisur steht in Kontrast zu ihrem modernen Gedankengut und frechen Humor. Sie schrieb einige der schönsten Geschichten über Afrika und ihr berühmtestes Werk, "Das goldene Notizbuch" (1962), wurde zur Bibel von Feministinnen. Doch Lessing wollte sich dieser Strömung nie anschliessen.

"Ich bin keine Feministin. Bewegungen lehne ich instinktiv ab", sagte sie einst. Dennoch war sie bis zum sowjetischen Einmarsch in Ungarn Mitglied der britischen Kommunisten, weil das damals fast die "einzigen Intellektuellen waren", begründete sie. Später kritisierte sie die Kommunisten als bigott, als "entmenschlicht im Dienste der Menschheit".

Lessing, die nach ihren zwei gescheiterten Ehen nicht mehr geheiratet hat und als alleine in London lebt, gestand zwar ein, dass ihr das Alter in gewisser Weise zu schaffen mache. Doch ihren Optimismus hat sich die grauhaarige Dame beibehalten. So bekannte sie in einem Interview mit der ihr eigenen Lust am Provokanten: "Es gibt junge Männer, die dafür sterben würden, mit einer alten Frau ins Bett zu gehen."

veröffentlicht: 1. Januar 2000 00:00
aktualisiert: 12. Juni 2015 03:55