Prozess gegen rechtsextreme Terrorzelle

12. Juni 2015, 12:35 Uhr
Sicherheitsvorkehrungen wurden erhöht

Vor dem Oberlandesgericht München hat am Morgen der mit Spannung erwartete Prozess gegen eine rechtsextreme Terrorzelle begonnen. Die Hauptangeklagte ist Beate Zschäpe. Sie soll mit zwei Neonazis die Terrorzelle "Nationalsozialistischer Untergrund (NSU)" gebildet haben.

Vier weitere Angeklagte vor Gericht

Zschäpe ist die einzige Überlebende des NSU-Trios. Ihre beiden Gefährten Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos wurden nach einem Banküberfall in Eisenach tot in einem Wohnmobil aufgefunden. Neben Zschäpe sitzen noch vier weitere mutmassliche Helfer auf der Anklagebank. Die rechtsextreme Terrorzelle soll in Deutschland zwischen 2000 und 2006 acht türkischstämmige und einen griechischstämmigen Einwanderer sowie 2007 eine Polizistin ermordet haben. Auch für zwei Bombenanschläge und etliche Banküberfälle wird der NSU verantwortlich gemacht.

Geheimdienst und Polizei hat lange falsche Spuren verfolgt

Seit der NSU Ende 2011 aufgeflogen war, hat die Mordserie gewaltige Wellen geschlagen. Die Frage stellte sich, wie es möglich war, dass drei seit 1998 als Bombenbauer per Haftbefehl gesuchte Neonazis 13 Jahre lang mitten in Deutschland leben und Anschläge verüben konnten. Polizei und Geheimdienste hatten über Jahre falsche Spuren verfolgt und den rechtsextremen Hintergrund der Taten nicht erkannt.

Prozess könnte zweieinhalb Jahre dauern

Für den Prozess hat das Oberlandesgericht München zunächst 85 Verhandlungstage bis Januar 2014 angesetzt. Nach Schätzungen könnte der Prozess aber möglicherweise zweieinhalb Jahre dauern. Wegen einer Kontroverse um die Presseplätze war der ursprünglich für den 17. April vorgesehene Prozessbeginn um fast drei Wochen verschoben
worden. Bei der Verteilung der Presseplätze im Gerichtssaal war zunächst kein türkisches Medium zum Zuge gekommen.

Sicherheitsvorkehrungen wurden erhöht

Rund 80 Angehörige und Opfer treten als Nebenkläger auf, sie werden von rund 60 Anwälten vertreten. Wie viele von ihnen zum Prozess kommen, war zunächst unbekannt. Die Sicherheitsvorkehrungen wurden für den Prozess erhöht. Das Verfahren gilt als eines der bedeutendsten in der deutschen Nachkriegsgeschichte. Der Prozessbeginn hatte sich um knapp drei Wochen verzögert, nachdem das Bundesverfassungsgericht Korrekturen bei der Vergabe der Journalistenplätze verlangt hatte.

Weiterführende Links zum Prozess:
- Spiegel online
- Frankfurter Allgemeine FAZ
- Welt online

Neonazi-Prozess in München hat begonnen

veröffentlicht: 6. Mai 2013 11:51
aktualisiert: 12. Juni 2015 12:35