Energieversorgung

2'000 kleine Gaskraftwerke, um Blackouts zu verhindern

17. Oktober 2021, 07:36 Uhr
Wegen des fehlenden Stromabkommens mit der EU könnte der Schweiz in absehbarer Zukunft der Strom ausgehen, wenn im In- und Ausland grosse Kraftwerke ausfallen. Ein Verband aus der Energiebranche kommt nun mit einer neuen Idee um die Ecke.
2000 kleine Gaskraftwerke verteilt über die ganze Schweiz sollen das Versorgungsproblem lösen.
© KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi

Der Verband schlägt vor, gestaffelt rund 2'000 kleine Gaskraftwerke verteilt über weite Teile der Schweiz zu bauen. Das berichtet die «NZZ am Sonntag». Diese würden sich zentral steuern lassen und können bei Bedarf innert kürzester Zeit angeworfen werden. Das Konzept des Verbands Powerloop ist also so ausgelegt, dass die Anlagen nur dann laufen, wenn der Strom knapp ist.

Kostenpunkt: 3,4 Milliarden Franken

Diese 2'000 Gaskraftwerke sollen gemäss Konzept, welches der Zeitung vorliegt, bis 2050 fertiggestellt werden und würden 3,4 Milliarden Franken kosten. Doch wie sollen die Kraftwerke finanziert werden, wenn sie nur während Strom-knappen Phasen laufen sollen? Dafür schlägt der Verband eine Versicherungsprämie vor. «Die Stromkunden bezahlen mit jeder Rechnung einen Zuschlag, der in den Ausbau der Klein-Kraftwerke gesteckt wird. Für eine vierköpfige Familie wären das ungefähr 10 Franken pro Jahr», erklärt Powerloop-Geschäftsführer Kurt Lüscher gegenüber der «NZZ am Sonntag».

Idee stösst auf Interesse

Ein Blackout könnte gemäss Bund pro Tag Schäden von drei bis vier Milliarden Franken verursachen. SP-Nationalrat und Energiepolitiker Roger Nordmann unterstützt die Idee. Die Anlagen bestehen aus einem oder mehreren Containern und lassen sich in Gewerbegebieten oder Lagern unterbringen. «Die Gefahr von Einsprachen und langjährigen Verzögerungen ist dadurch massiv kleiner», sagt Nordmann. Auch der Elektrizitätswerkverbund Swisspower und ein Professor für Energietechnik der ETH Zürich halten das Projekt für sinnvoll.

Firmen sollen Strom sparen

Um einem Blackout entgegenzuwirken, gib es aber auch noch andere Optionen: Strom sparen zum Beispiel. Sollte in der Schweiz der Strom knapp werden, dann kann der Bund die Unternehmen zum Sparen zwingen – und zwar um bis zu 30 Prozent. Erstmals hat der Bundesrat deshalb Betriebe angeschrieben, was sie im Falle einer Stromknappheit zu tun haben. Rund 30'000 Unternehmen werden aufgefordert, sich Gedanken zu machen, wie sie im Fall der Fälle Strom einsparen könnten. Dies bestätigt die Organisation für Stromversorgung in Aussenordentlichen Lagen (Ostral) der «NZZ am Sonntag».

Die Ostral wurde von den Elektrizitätsunternehmen im Auftrag des Bundes gegründet – für den Fall, dass die Nachfrage das Stromangebot während Wochen oder gar Monaten übersteigt. Dies gilt neben einer Pandemie als grösste Gefahr für die Versorgung der Schweiz.

(red.)

Quelle: ArgoviaToday
veröffentlicht: 17. Oktober 2021 06:32
aktualisiert: 17. Oktober 2021 07:36
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