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Auch Städte im Visier

Bancomaten-Sprenger werden immer raffinierter – Bund führt zahlreiche Verfahren

10. Oktober 2021, 07:52 Uhr
In den vergangenen Wochen und Monaten sind in der Schweiz immer wieder Bancomaten in die Luft gesprengt worden. Dies ist für Täter besonders lukrativ: Oft schaut eine fette Beute raus, zudem bleiben sie meist unerkannt. Aktuell ist in der Schweiz lediglich ein Tatverdächtiger in Gewahrsam.
In der Schweiz werden vermehrt Bancomaten gesprengt – hier in Winterthur-Grüze im September 2021.
© BRK News

24 Angriffe auf Geldautomaten registrierte das Bundesamt für Polizei (Fedpol) im laufenden Jahr. Die Hälfte der Bancomaten wurde dabei gesprengt, berichtet die «NZZ am Sonntag». Der jüngste Angriff ereignete sich Ende September im Zürcher Tösstal. Die Täter konnten unerkannt fliehen – mit einer Beute von über 100'000 Franken.

Was auffällt: Die Täter scheinen mutiger zu werden. Sie schlagen längst nicht mehr nur auf dem Land zu, sondern immer häufiger auch in dicht besiedelten Gebieten. Dies zeigt ein Beispiel von Anfang September, als ein Bancomat vor dem Zoo Zürich in die Luft gejagt wurde (PilatusToday berichtete). Ein ähnlicher Fall hat sich Anfang Sommer zudem im Winterthurer Stadtteil Grüze ereignet.

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Quelle: CH Media Video Unit

Phänomen kommt aus dem Ausland

Früher wurden Bancomaten in der Schweiz noch mit einem Fahrzeug gerammt oder mit einem Seil aus der Verankerung gerissen. Das Phänomen, Bancomaten zu sprengen, griff erst vor einigen Jahren aus Deutschland und Frankreich auf die Schweiz über.

Laut den Ermittlern laufen die meisten Taten nach einem ähnlichen Muster ab: Oft handelt es sich um drei bis vier Männer aus Osteuropa oder Teilen Frankreichs, die in der Nacht mit dem Auto in die Schweiz einreisen. Kurz nach der Tat setzen sie sich sofort ab. Manchmal haben sie sogar Benzinkanister im Kofferraum dabei, um nicht an einer Tankstelle stoppen zu müssen.

Ermittlungen gestalten sich schwierig

Obschon die Bundesanwaltschaft derzeit 30 Verfahren im Zusammenhang mit Bancomaten-Sprengungen führt, sitz lediglich ein Tatverdächtiger in der Schweiz in Gewahrsam. Es handelt sich um einen 30-jährigen Rumänen, der im Dezember 2019 in Sevelen im St. Galler Rheintal einen Bancomaten gesprengt haben soll. Die Beute: über 126'000 Franken. Er wurde diese Woche beim Bundesstrafgericht in Bellinzona angeklagt.

Der Bancomat in Sevelen befand sich an einem Wohn- und Bürogebäude.
© Kantonspolizei St. Gallen

Banken reagieren

Insider sagen gegenüber der Zeitung, dass es nicht erstaunlich ist, dass die Schweiz mehr und mehr ins Visier von Bancomaten-Knackern kommt. Von den 7'000 Bancomaten in der Schweiz seien bei Weitem nicht alle gut geschützt. Zudem befinden sich in den hiesigen Bancomaten relativ hohe Geldbeträge.

Dies könnte sich aber nach und nach ändern. Immer mehr Banken füllen die Bancomaten regelmässiger mit Geld auf, sodass weniger Geld auf einmal in den Automaten liegt. Aufgrund der grossen Explosionen, die die Sprengungen auslösen, haben einige Banken ihre Geldautomaten aus Wohn- und Bürogebäuden entfernt.

(scd)

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 10. Oktober 2021 07:12
aktualisiert: 10. Oktober 2021 07:52