Umwelt

Bedenklich oder ungefährlich? Schweizer Wasser enthält Chemikalie TFA

26. April 2022, 19:54 Uhr
Eine Studie hat die Chemikalie Trifluoracetat grossflächig im Schweizer Trinkwasser nachgewiesen. Das Pflanzengift kommt auch im Mineralwasser vor. In der EU wird nun abgeklärt, ob der Stoff gefährlich ist. Bei den Schweizer Behörden gibt es noch keine konkreten Pläne.

Im Schweizer Trinkwasser lässt sich das Pflanzengift Trifluoracetat (TFA) nachweisen. Wie «SRF Investigativ» in einer Reportage schreibt, habe das deutsche Labor «Technologiezentrum Wasser» den problematischen Stoff in verschiedenen Proben festgestellt. In unterschiedlichen Konzentrationen und Landesteilen, im Hahnen- sowie im Mineralwasser.

Auch Mineralwasser betroffen

Einen der höchsten TFA-Werte fand das Labor mit 1,3 µg/l (Mikrogramm pro Liter) in Neerach. Die Zürcher Gemeinde habe in den letzten Jahren viel Geld ins Trinkwasser investiert. Für Gemeindepräsident Markus Zink sei sauberes Wasser ein komplexes Problem. Es sei ein Dilemma, das nur gemeinsam gelöst werden könne. TFA sei wohl nicht die letzte Chemikalie, die sich im Wasser nachweisen lasse.

Auch in sieben Mineralwassern fand sich TFA, schreibt das SRF weiter – mit Werten zwischen 0,08 und 0,76 µg/l. Der Verband Schweizerischer Mineralquellen und Soft-Drink-Produzenten gibt sich gegenüber dem SRF erstaunt, «weil natürliches Mineralwasser aus geschützten unterirdischen Schichten stammt.»

TFA ist toxisch für Algen, wie Studien zeigen. Teils noch laufende Versuche mit Ratten und Kaninchen deuten bei sehr hohen Konzentrationen ausserdem auf Missbildungen und Wachstumsstörungen bei Säugetieren hin. Von einer gesundheitlichen Gefährdung für den Menschen geht Daniel Dietrich, Professor für Umwelt- und Humantoxikologie an der Universität Konstanz, deshalb nicht aus. Die EU lässt den Stoff trotzdem auf seine Gefährlichkeit untersuchen.

Noch kein Höchstwert in der Schweiz

Er sagt aber: «Auch wenn TFA für den Menschen nicht giftig sein sollte, muss man sich doch überlegen, ob diese Substanz in die Umwelt gehört.» Das deutsche Umweltbundesamt empfehle, TFA-Konzentrationen zu reduzieren, auch weil in der Vergangenheit öfters Risiken übersehen worden seien. Deutschland kenne – im Unterschied zur Schweiz – auch einen Höchstwert für TFA im Wasser.

TFA hat laut SRF nützliche Eigenschaften. Es kommt zum Beispiel als Stabilisator zum Einsatz, da es sehr beständig ist. Doch genau diese Beständigkeit ist auch das Problem. Sobald TFA ins Wasser gelangt, baut es sich dort nicht ab, sondern reichert sich immer mehr an. TFA gelangt auf unterschiedlichen Wegen ins Wasser. Kältemittel aus Klimaanlagen etwa entweichen in die Atmosphäre, werden dort abgebaut, wobei TFA entstehen kann.

TFA werde wegen seiner Hartnäckigkeit auch als «forever chemical» bezeichnet, weil sich der Stoff nicht mit etablierten Methoden aus dem Wasser herausfiltern lässt. «TFA ist sehr langlebig», wird Roman Wiget, Wasserversorger im Berner Seeland, zitiert. «Der Stoff begleitet uns ein Leben lang.»

(osc)

Quelle: Today-Zentralredaktion
veröffentlicht: 26. April 2022 19:53
aktualisiert: 26. April 2022 19:54
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