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Coronavirus

Begehrte Auszeichnungen im Zeichen von Corona und Klimakrise

1. Oktober 2021, 13:25 Uhr
Vergangenes Jahr stand die Verleihung der Nobelpreise bereits im Schatten der Corona-Pandemie, doch erst dieses Jahr konnte die Forschung zur Bekämpfung des Virus bei der Auswahl der Anwärter für die renommierten Auszeichnungen berücksichtigt werden.
Besucher zeigen ihr Covid-Zertifikat am Eingang zu einem Eishockeyspiel. Die Zertifikatspflicht sei keine Diskriminierung, kommt eine ETH-Dissertation zum Schluss - ebensowenig wie das Rauchverbot in Zügen und Restaurants (Symbolbild).
© Keystone/ENNIO LEANZA

Wissenschaftler, die sich in der Grundlagenforschung zum Immunsystem und für die Entwicklung von Corona-Impfstoffen verdient gemacht haben, gelten daher als Favoriten. Beim Friedensnobelpreis tippen viele auf Organisationen, die sich für die Pressefreiheit einsetzen, oder auf belarusische Oppositionelle.

«Es wäre ein Fehler, wenn das Nobelkomitee keinen Preis für die mRNA-Impftechnologie vergeben würde», sagt die Wissenschaftsjournalistin Ulrika Björksten. Auf diesem Verfahren beruhen die Corona-Impfstoffe des deutschen Unternehmens Biontech und des US-Herstellers Moderna.

Björksten nennt die Ungarin Katalin Karikó und den US-Immunologen Drew Weissman als Favoriten für den Medizin- oder Chemie-Nobelpreis, deren Preisträger am Montag sowie am Mittwoch bekanntgegeben werden.

Karikó war vergangene Woche gemeinsam mit Weissman mit dem Albert-Lasker-Preis für medizinische Grundlagenforschung ausgezeichnet worden. Kurz zuvor war ihr zusammen mit den Biontech-Gründern Özlem Türeci und Ugur Sahin der renommierte Paul-Ehrlich-Preis zuerkannt worden.

Karikó, die an der University of Pennsylvania forscht, arbeitete seit den 90er Jahren an der mRNA-Technologie. Sahin und Türeci kommen aus der Krebsforschung, wo sie ebenfalls seit Mitte der 90er Jahre an Krebsimpfstoffen auf Basis von mRNA arbeiten. Dieses Prinzip nutzten sie dann für die Entwicklung des Corona-Impfstoffs. Karikó schloss sich Biontech 2013 an.

Ausser der mRNA-Forschung gelten aber auch Erkenntnisse bei der Kommunikation zwischen Zellen, die Entdeckung des Brustkrebs-Gens und die Forschung zu Antibiotika-Resistenzen als Nobelpreis-würdig.

Weg vom Euro- und US-Zentrismus

Nach dem Medizin-Nobelpreis wird am Dienstag in Stockholm der Physik-Nobelpreis vergeben. Es folgen die Kategorien Chemie, Literatur und Frieden und schliesslich übernächsten Montag Wirtschaftswissenschaft.

Beim Literatur-Nobelpreis, dessen Preisträger am Donnerstag bekanntgegeben wird, wird damit gerechnet, dass die Schwedische Akademie weiter über ihren Tellerrand hinausblickt, nachdem sie in den vergangenen Jahren vor allem europäische und nordamerikanische Autoren wie zuletzt die US-Lyrikerin Louise Glück ausgezeichnet hatte. «Ich glaube, dass sie wirklich ein Genie aus einer zuvor vernachlässigten Weltgegend entdecken wollen», sagt etwa Jonas Thente, Literaturkritiker der schwedischen Zeitung «Dagens Nyheter».

Genannt werden hier etwa die aus Nigeria stammende Autorin Chimamanda Ngozi Adichie, der Inder Vikram Seth, der Chinese Liao Yiwu und der Mosambikaner Mia Couto. Autoren, die schon seit Jahren als Anwärter auf den Literatur-Nobelpreis gelten, sind der Ungar Peter Nadas, die Kanadierin Margaret Atwood, der Syrer Adonis und der Somalier Nuruddin Farah.

Fake News oder Thunberg?

Für den Friedensnobelpreis, dessen Träger am Freitag in Oslo verkündet wird, gelten ausser Journalisten-Organisationen und Vertretern der Opposition gegen den autoritären belarusischen Staatschef Alexander Lukaschenko Klimaaktivisten wie die Schwedin Greta Thunberg als Favoriten. Vergangenes Jahr hatte das Welternährungsprogramm (WFP) der Vereinten Nationen die Auszeichnung bekommen.

«Ich glaube, es gibt dieses Jahr keine klaren Favoriten, zumindest nicht im herkömmlichen Sinne», sagt der Leiter des Osloer Friedensforschungsinstituts, Henrik Urdal. Für manche wie den Nobelpreis-Historiker Asle Sveen liegt eine Auszeichnung des Kampfs gegen die Klimakrise auf der Hand. «Es ist im Moment das wichtigste Thema», sagt er.

Andere halten die Zeit für gekommen, den Kampf für unabhängigen Journalismus und gegen Fake News etwa von Reporter ohne Grenzen zu würdigen. Auch die im Exil lebende belarusische Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja gilt als würdige Preisträgerin.

Corona-Impfprogramm ist aus dem Rennen

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und das Corona-Impfprogramm Covax, die zwischenzeitlich wegen der Corona-Krise als Favoriten galten, sind hingegen durch die schleppende Verteilung von Corona-Impfstoffen an arme Länder ins Abseits geraten.

Der Friedenspreis könnte dieses Jahr der einzige Nobelpreis sein, der traditionell bei einer Zeremonie im Dezember in Oslo überreicht wird. Die Zeremonie zur Verleihung der anderen Nobelpreise in Stockholm wurde wegen der Corona-Pandemie bereits abgesagt. Stattdessen werden die Preisträger wie vergangenes Jahr in ihrem jeweiligen Heimatland geehrt.

Quelle: sda
veröffentlicht: 1. Oktober 2021 12:55
aktualisiert: 1. Oktober 2021 13:25