Tirol: Berghütte setzt auf Vegi-Kost und sticht damit ins Wespennest | PilatusToday
Tirol in Aufruhr

Berghütte setzt auf Vegi-Kost und sticht damit ins Wespennest

· Online seit 23.05.2023, 17:13 Uhr
Nach der Wanderung keine Speckknödel und kein Schnitzel im Bergrestaurant? Eine Pächterfamilie im Tirol setzt auf Vegetarisches und Regionales und verzichtet auf Fleischangebote. Auch in Schweizer SAC-Hütten ist das nichts Aussergewöhnliches – zumindest an gewissen Tagen.
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Die «Neue Regensburger Hütte» im Stubaital ist die erste rein vegetarische Berghütte im Tirol. Dort stehen regionale Gemüse und Kräuter auf der Speisekarte. Nach dem Wandern gibts auf den Tellern also weder Wurst noch Speckknödel. «Wir möchten eine Alternative bieten», sagt der Wirt Christian Tomaselli zu seinem Vorhaben in einem Post des ORF Tirol auf Facebook.

Die Reaktionen darauf könnten emotionaler und zahlreicher nicht sein. Das Thema polarisiert und beschäftigt und hat bis dato über 6000 Kommentare generiert. So finden einige das Vorhaben sehr mutig, andere können die ganze Aufregung nicht verstehen, weil man ja gut und gerne einmal ohne Fleisch auskommen könne. Von anderen gibts Tipps zum optimalen kulinarischen Hüttenangebot.

User Günter K.s Kommentar ist kurz und knapp: «Eine Berghütte ohne Brettljause ist wie ein Skiurlaub ohne Ski ...». Viele User können ihre Wut nicht zurückhalten: «Einfach beides auf die Karte, dann hat es eine Alternative. Schön langsam haben die Leute die Schnauze voll vom ‹Weltretten›!»

«Es ist deutlich ein Wandel spürbar»

Aber wie sieht es mit dem kulinarischen Berghütten-Angebot in der Schweiz aus? Viele SAC-Hütten hätten in den letzten Jahren ihr Angebot der Nachfrage der Besucher angepasst, sagt Ulrich Delang, Bereichsleiter Hütten des «Schweizer Alpen-Club» SAC. «Die Länta Hütte in Graubünden beispielsweise macht an vier Abenden pro Woche ein Viergang-Vegi-Menu. Mittags ist das Angebot aber gemischt, also auch mit Fleisch.»

Standardmässig haben alle Hütten jeweils auch eine Vegi-Variante im Angebot oder an bestimmten Wochentagen einen oder gar mehrere fixe Vegi-Tage. Die Gäste sollen laut Delang immer wählen können. «Es ist ja nicht so, dass man nur von Fleisch satt wird. Es gibt mittlerweile hervorragende pflanzliche Proteine.» Über die letzten Jahre habe ein Wandel zu mehr vegetarischen und veganen Varianten stattgefunden. Das sei von den Gästen gewünscht worden.

Regionalität und Frische zählen 

Die meisten Gäste verbringen meist nur eine Nacht in der Hütte, da sei ein Verzicht auf Fleisch, falls es denn mal keines gäbe, kein Problem, findet Ulrich Delang in Anbetracht der emotionalen Reaktionen der User zur Tiroler Vegi-Hütte. «Die Vegi-Angebote kommen meines Erachtens sehr gut an, zumal viele Hüttenwarte auf Regionalität und Frische setzen und die Zutaten oft auch direkt vor Ort produziert werden».

«Ich bin überzeugt, dass eine Hütte mit reinem Vegi-Angebot hier in der Schweiz funktionieren würde. Dennoch wird es da sicher auch Beschwerden geben». Die vegetarische Ernährungsform bringe keine Mängel für die Gäste, so der Hütten-Bereichsleiter und erklärt: «An drei oder vier Tagen im Jahr auf Fleisch zu verzichten, gehe doch für alle – so lange sind Bergsport-Fans in der Regel in einer Hütte.

Gemischte Speisekarte lohnt sich

Ob die Tiroler Hütte mehr als eine Saison mit ihrem Vegi-Angebot durchkommt oder es doch ein Zurück gibt zu einem Mischangebot, wird sich zeigen. Die SAC-Hüttenwarte bestimmen ihr Angebot jeweils schon zu Beginn der Saison. Die Sommersaison beginnt Mitte Juni.

«Mit der steigenden Nachfrage nach vegetarischen und veganen Speisen lohnt es sich für die Betriebe immer mehr, diverse Optionen auf der Speisekarte zu haben», sagt Gastrosuisse gegenüber der Today-Redaktion. Die Gäste schätzten die gute Qualität in den Restaurants, sei es im Dorfrestaurant oder in der Berghütte. Diese Qualität könne durch saisonale und lokale Produkte gewährleistet werden, so Gastrosuisse weiter.

Kein Vegi wegen höherem Zeitaufwand

Gastronomische Betriebe in Bergkantonen gaben in einer Umfrage von Gastrosuisse aus dem Jahr 2018 an, dass vor allem der höhere Zeitaufwand, die mangelnde Infrastruktur und eine zu geringe Nachfrage der Gäste Gründe seien, weshalb sie nicht mehr vegetarische und vegane Speisen anbieten.

Ob ein Bergrestaurant mit einem rein vegetarischen Angebot erfolgreich sein kann, hängt gemäss Gastrosuisse von den lokalen Verhältnissen wie der Wettbewerbssituation, dem Restaurantkonzept und den angebotenen Gerichten ab.

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veröffentlicht: 23. Mai 2023 17:13
aktualisiert: 23. Mai 2023 17:13
Quelle: Today-Zentralredaktion

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redaktion@pilatustoday.ch