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Point de Presse

Brauchen wir eine dritte Impfung? Das sagen die Experten des Bundes

15. Juni 2021, 16:20 Uhr
Die Zeichen für einen maskenfreien Sommer stehen gut. Die Lage entwickelt sich trotz Lockerungen positiv. Doch die Delta-Variante hinterlässt viele Fragezeichen.
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Quelle: CH Media Video Unit

Die Corona-Lage in der Schweiz entwickelt sich trotz Lockerungen weiterhin positiv. Die Anzahl laborbestätigter Fälle sinken. Auch bei den Hospitalisationen sinken die Zahlen bei 14 neuen Fällen, bemerkt Virginie Masserey, Leiterin Sektion Infektionskontrolle. Die Öffnungen hätten bisher keine schlimmen Auswirkungen gehabt. «Wir alle wünschen uns einen schönen Sommer, einen stabilen Herbst. Die Zeichen dafür stehen gut», sagt der oberste Kantonsarzt Rudolf Hauri. Doch dafür müssten alle weiterhin aufmerksam bleiben, die Abstands- und Hygieneregeln einhalten und sich impfen lassen.

Wie verläuft die Impfkampagne?

Sechs Millionen Dosen seien bereits ausgeliefert worden. 3,7 Millionen Menschen hatten eine Erstimpfung, also knapp die Hälfte der Bevölkerung. 2,3 Millionen sind voll geimpft, somit ein Drittel der Bevölkerung. Neue Lieferungen treffen ein: 100'000 Impfdosen werden Pfizer/Biontech erwartet. Die Nachfrage ist weiterhin hoch, sagt Hauri.

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Quelle: CH Media Video Unit

Nun könne man schneller Impftermine vergeben, auch habe sich die Lagerung des Impfstoffs vereinfacht. Spontanes Impfen am Abend, regionale Impfevents, mobiles Impfen mit Impfbus. Das sei alles möglich, so Hauri.

Brauchen wir eine dritte Impfung?

Laut Masserey dauert der Impfschutz mindestens ein Jahr. «Die Impfung schützt wahrscheinlich 12 Monate vor einer Ansteckung und wahrscheinlich noch länger vor schweren Verläufen.» In den nächsten Wochen werde die Dauer des Covid-Zertifikats somit angepasst.

Warum gibt es bei der 2. Impfung vermehrt Nebenwirkungen? 

Das BAG habe mit solchen Nebenwirkungen gerechnet, dies aufgrund der Studien. Nebenwirkungen seien eigentlich ein gutes Zeichen und normal. Sie zeigen, dass die Immunabwehr des Körpers funktioniere. Die Impfung hinterlasse aber keine weiteren Schäden.

Wie stark ist die Wirtschaft von den Massnahmen betroffen?

Die Wirtschaft sei besser als erwartet durch die Pandemie gekommen, sagt Jan-Egbert Sturm, Vizepräsident der Task Force. Viele haben viel Geld gespart und können die Nachfrage wieder ankurbeln. Obwohl viele Firmen wieder positiv in die Zukunft blicken können, leiden Haushalte mit niedrigen Einkommen am stärksten.

Aus wirtschaftlicher und schulischer Sicht hätten sich die Impfungen und die Reihentests als äusserst effektiv erwiesen. Es habe weniger Quarantänefälle gegeben und somit kaum Arbeitsausfälle. An den Schulen konnte man kontrolliert die Masken aufheben, ohne grosse Ausbrüche zu erwarten.

Gilt die Maskenpflicht noch?

«Bei der aktuellen Lage rechtfertigen sich die Lockerungen bei den Masken», sagt Hauri. Sinnvoll seien Masken aber nach wie vor in engen Räumen mit vielen Menschen. Oft weiss man nicht, ob die Mitmenschen im Raum geimpft sind oder nicht.

Vollständige Impfung hilft gegen Delta-Variante

Die in Indien und Grossbritannien dominante Delta-Variante sei in der Schweiz derzeit wenig verbreitet – mit gerade mal 2,5 Prozent. Warum diese Variante in der Schweiz noch nicht so stark zirkuliert, bleibt offen. Die Forschungen würden laufen. Laut Sturm sei die Impfstrategie in Grossbritannien zu stark nur auf eine Erstimpfung ausgelegt gewesen. Erst mit der zweiten Impfung könnte man die Zirkulation bremsen. Warum die Schweiz bisher glimpflich davon kam, obwohl die Anzahl vollständig Geimpfter geringer ist, wisse man noch nicht.

(kmu)

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 15. Juni 2021 16:20
aktualisiert: 15. Juni 2021 16:20