Klimawandel

Buchen haben im Trockensommer 2018 vorzeitig Nüsschen abgeworfen

26. März 2020, 15:35 Uhr
Samenkapseln an einem Buchenzweig während eines Mastjahres, wie es 2018 eins war. Mangels Regen warfen die Bäume die Samen danach vorzeitig ab. Ein Zeichen dafür, wie schlecht die Buche für den Klimawandel gerüstet ist. (zVg)
© Ulrich Wasem, WSL
Der Trockensommer 2018 hat den Schweizer Buchen besonders zugesetzt. Sie haben ihre «Nüsschen», die Buchecker, vorzeitig abgeworfen. Offenbar benötigten die Bäume ihre ganze Kraft fürs Überleben und unterbrachen deshalb ihre Fortpflanzungstätigkeit.

Das war vorher bei Waldbäumen in Europa noch nie beobachtet worden, wie Forscher der Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL Birmensdorf im Fachjournal «Scientific Reports» berichten.

Eigentlich hätte 2018 ein an Bucheckern oder «Buchennüssli» reiches Jahr sein sollen, ein sogenanntes Mastjahr. Im Frühjahr war der Pollenflug üppig gewesen und die Buchen hatten viele Früchte angelegt. Doch mitten im Sommer liessen viele Bäume die noch nicht fertig entwickelten Früchte dann einfach fallen.

Viele Buchennüssli landeten auch in den Streusammlern auf den Testflächen der Langfristigen Waldökosystemforschung (LWF), welche die WSL an 19 Standorten in der Schweiz betreibt. So wurden die Fachleute auf den unerwartet frühen Fall der Früchte aufmerksam, wie sie in einer Mitteilung vom Donnerstag berichten.

An den Standorten, auf denen die Buchecker frühzeitig abgeworfen wurden, war in jenem Sommer 45 Prozent weniger Regen gefallen und die mittlere Lufttemperatur war um 1,5°C erhöht. Eine Analyse der Klimadaten ergab, dass es auch im Rekord-Hitzesommer 2003 zu einem vorzeitigen Abbruch der Fruchtbildung gekommen war.

Bäume ziehen die Notbremse

Die Forschenden folgern daraus, dass es bei grosser Sommerhitze und -trockenheit zu einer Art Notstopp für die Fruchtentwicklung kommt - einer Art «Umwelt-Veto», wie sie in «Scientific Reports» berichten. «Die Buchen brechen die Fruchtentwicklung ab, bevor sie zu viele Ressourcen investiert haben», erklärt Erstautorin Anita Nussbaumer von der WSL. Früchte seien in mageren Zeiten für Bäume quasi ein «Luxus», sie müssten ihre Ressourcen vor allem in die lebenswichtigen Strukturen wie Blätter, Holz und Wurzeln stecken. «Die Früchte kommen weit hinten in der Rangliste», sagt Nussbaumer.

Das Phänomen, bei schlechten Umweltbedingungen oder Schädlingsbefall die Früchte abzuwerfen, war bisher in Europa von Kulturbäumen, nicht aber von Waldbäumen bekannt. Frost oder sehr nasse Bedingungen während des Pollenflugs können die Fruchtbildung von Buchen ebenfalls verhindern, aber dass sie bereits angelegte Buchecker abwerfen, war zuvor noch nie beschrieben worden. Von Eichen ist bekannt, dass sie bei Spätfrost die noch unterentwickelten Eicheln abwerfen können.

Buche disqualifiziert sich als Waldbaum

Der verfrühte Fruchtabwurf sei ein weiterer Hinweis darauf, dass Buchen für die zunehmend heissen und trockenen Sommer, wie sie mit dem Klimawandel in der Schweiz häufiger erwartet werden, nicht sehr gut gerüstet sind, berichten die Forschenden.

«Für die Forstdienste sind solche Erkenntnisse wichtig, weil sie heute bereits entscheiden müssen, welche Baumarten sie in den nächsten 50 bis 100 Jahren in ihren Wäldern fördern möchten», sagt Nussbaumer. Die Buche, derzeit der häufigste Laubbaum, ist es möglicherweise nicht.

*Fachartikellink https://doi.org/10.1038/s41598-020-62073-0

Quelle: sda
veröffentlicht: 26. März 2020 15:35
aktualisiert: 26. März 2020 15:35