Anzeige
Fragen und Antworten

Bund will nicht verschärfen – Kantönligeist soll regeln

24. November 2021, 16:54 Uhr
Der Bund schätzt die Corona-Lage als kritisch ein, wartet jedoch noch mit Verschärfungen ab. Weil sich die Pandemie regional unterschiedlich entwickle, sollen die Kantone notwendige Massnahmen ergreifen. Das musst du zur heutigen Medienkonferenz wissen.
Player spielt im Picture-in-Picture Modus

Quelle: CH Media Video Unit / Melissa Schumacher

Wie sieht die aktuelle Corona-Lage aus?

Die Zahlen der Neuinfektionen sowie der Hospitalisationen steigen seit Mitte Oktober 2021 wieder stark an. Die täglichen Corona-Fälle haben einen neuen Jahreshöchststand erreicht. Vor allem stecken sich Jugendliche an, hospitalisiert werden hauptsächlich ältere Personen. Der Bundesrat schätzt die Situation «als kritisch ein», doch will abwarten.

Die Situation sei kritisch – warum handelt der Bund nicht?

Der Bund will abwarten und mit kantonalen Massnahmen die Spitäler entlasten. Die Fragen, ob die Abstimmung vom Sonntag über das Covid-Gesetz den Entscheid beeinflusst habe, verneint Berset. Massgebend sei vor allem die Situation in den Spitälern. Diese sei derzeit noch nicht im kritischen Bereich.

Player spielt im Picture-in-Picture Modus

Quelle: CH Media Video Unit / Melissa Schumacher

Hat der Bundesrat nichts aus dem letzten Jahr gelernt? Die Situation sei anders, so Berset. Man habe mehr Geimpfte. Insgesamt sei 80 Prozent der Bevölkerung jetzt immunisiert.

Das heisst, es ändert sich gar nichts für mich?

Der Bund übergibt die Federführung den Kantonen. Er argumentiert, dass die Zahlen je nach Region unterschiedlich stark steigen würden. Das sei auf die unterschiedliche Impfquote zurückzuführen. «Jeder Kanton muss für sich schauen, weil jeder seine Bevölkerung am besten kennt.»

Nach wie vor fordert der Bund das Volk auf, die wichtigsten Corona-Regeln konsequent einzuhalten: Abstand halten, Maske tragen, Handhygiene, regelmässiges Lüften von Innenräumen und Testen bei Symptomen. Mit diesen Basismassnahmen will der Bund eine Überlastung der Spitäler verhindern.

Player spielt im Picture-in-Picture Modus

Quelle: CH Media Video Unit / Melissa Schumacher

Welche weiteren Massnahmen müssten die Kantone ergreifen?

Eine wichtige Massnahme sei es, die Maskenpflicht auszuweiten – vor allem in den Schulen. Der Kanton Nidwalden ist in der Zentralschweiz vorgeprescht, weitere Kantone sollten nachziehen. Weiter dürfte eine Homeoffice-Pflicht die steigenden Zahlen bremsen. Auch Kapazitätsbeschränkungen sei eine wirkungsvolle Massnahme.

Kantone, die noch keine repetitiven Tests in den Schulen durchführen, müssten das nachholen. Auch eine Zertifikatspflicht für Mitarbeitende und Besuchende in Gesundheitseinrichtungen erachtet der Bund als notwendig.

Der Bund möchte auch das Impfen weiter fördern. Vor allem die Booster-Impfung solle so schnell wie möglich durchgeführt werden, fordert er.

Was verlangen die Kantone vom Bund?

Die Kantone wollen verschärfen, aber schweizweit. Der Bund solle das Zepter in die Hand nehmen.

Ein Massnahmen-Flickenteppich müsse verhindert werden, sagte Guido Graf, der Luzerner Gesundheitsdirektor. Sein Zuger Amtskollege Martin Pfister forderte dasselbe: «Es ist angebracht, dass der Kern der Massnahmen national einheitlich gilt.»

Die Kantone sollten ihren Spielraum nutzen, auch wenn dieser limitiert sei, sagte Lukas Engelberger, Präsident der Kantonalen Gesundheitsdirektionen (GDK), in einem Interview mit den Tamedia-Zeitungen. Sollte das nicht reichen, um auf die hohen Infektionszahlen zu reagieren, müsse der Bundesrat aktiv werden.

Müssen sich Geimpfte auch an die Basismassnahmen halten?

Bei Geimpften nimmt der Schutz vor Ansteckungen ab. Nach sechs Monaten liegt er nur noch bei 50 Prozent. Deshalb müssten auch Geimpfte unbedingt die Basismassnahmen einhalten und möglichst bald boostern lassen.

Nach einer Auffrischungsimpfung liegt der Schutz bei unter 65-Jährigen bei 80 Prozent. Bei den unter 65-Jährigen liegt er bei über 90 Prozent, wie die Grafik des Bundes zeigt.

Infografik: Schutzwirkung der Covid-19-Impfung

© Bundesamt für Gesundheit

Gibt es wieder Gratistests, solange noch nicht alle boostern können?

Heute sei das nicht diskutiert worden, so Berset. Es sei aber ein Antrag einer Kommission gestellt worden, deshalb werde man dies überprüfen. Aber es sei noch nichts entschieden.

Wie war das noch einmal mit den Booster-Impfungen?

Gemäss Tanja Stadler, Präsidentin der National Covid-19 Science Taskforce, liesse sich die Hälfte aller Hospitalisationen durch eine Erst-und Zweitimpfung verhindern. Die andere Hälfte mit der Auffrischimpfung. Das musst du zur Booster-Impfung wissen.

Können wir mit Verschärfungen nach der Abstimmung rechnen?

Der Bund fährt wie schon letztes Jahr eine «riskante Strategie» und beobachtet die Entwicklung. Sobald die Personen ab 12 Jahren sich impfen lassen dürfen, richte sich die Massnahmen darauf aus, das «Gesundheitssystem zu erhalten».

Falls die kantonalen Massnahmen sowie die geltenden Basisregeln die Pandemie nicht bremsen, würden verschärfte Massnahmen folgen.

(kmu)

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 24. November 2021 16:30
aktualisiert: 24. November 2021 16:54