Wirtschaft

Corona-Hilfspaket ist gut angelaufen — über 10'000 Anfragen für Notkredite

Sarah Kunz, 26. März 2020, 19:37 Uhr
20 Milliarden Franken stellt der Bund für Überbrückungskredite während der Corona-Krise zur Verfügung.
© Keystone
Ab heute vergeben Schweizer Banken unter dem Hilfspaket des Bundes Überbrückungskredite an von der Coronakrise betroffene Unternehmen. Die Auszahlung bereite bislang keine Probleme.

Vor nicht einmal zwei Wochen beschloss der Bundesrat härtere Massnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus, weshalb viele Firmen ihre Tätigkeit einstellen mussten. Am Freitag hat er angekündigt, er werde den 500'000 KMU in der Schweiz mit einem Betrag von 20 Milliarden Franken unter die Arme greifen. Seit heute Donnerstag können bereits die ersten Überbrückungskredite ausgestellt werden.

Die Nachfrage nach Notkrediten angesichts der Coronapandemie ist wie erwartet hoch. Das bestätigen diverse Banken. So sind etwa bei der Postfinance bis 16 Uhr 3200 Kreditgesuche eingegangen. «Wir waren darauf vorbereitet und konnten den Ansturm bisher gut bewältigen», sagt Mediensprecher Johannes Möri.

Bei der UBS hätten die ersten Kunden bereits kurz nach dem offiziellen Start ihren Notkredit erhalten. Stand Mittag seien rund 3000 Anfragen eingegangen, wie Mediensprecherin Anita Greil auf Anfrage mitteilt. Die UBS könne durch die bereits vor der Krise erfolgreich vorangetriebenen Digitalisierungsmassnahmen einen schnellen und einfachen Prozess gewährleisten.

Bei der Raiffeisen wurden bis heute um 15 Uhr laut eigenen Angaben über 300 Kreditanträge verarbeitet und ausbezahlt. Bei der Credit Suisse wurden laut Sprecherin Gérianne Cruz Stand 17 Uhr rund 4500 Anträge eingereicht. Insgesamt habe die Credit Suisse damit bisher über eine halbe Milliarde Schweizer Franken an ihre KMU-Kunden überwiesen. Auch bei der Berner Kantonalbank (BEKB) träfen laufend Anträge ein. Genaue Zahlen kann Mediensprecher Florian Kurz aber bislang nicht nennen.

Banken haben Ressourcen aufgestockt

Die Banken müssen diese Herkulesaufgabe mit nur einer geringen Vorlaufzeit stemmen. «Wir haben erst am Wochenende erfahren, dass wir uns auch am Hilfspaket beteiligen dürfen», sagt Johannes Möri von der Postfinance. Für die Bearbeitung der Kreditgesuche hätten die angefragten Banken die Ressourcen vor allem im Backoffice – wo die Kreditgesuche bearbeitet werden – mit internen Mitarbeitenden aufgestockt. Probleme habe es bislang keine gegeben.

Die Berner Kantonalbank habe zur Vorbereitung zudem eine Taskforce gebildet. «Anschliessend haben wir die internen Prozesse aufgebaut und die Informationen bereitgestellt», sagt BEKB-Sprecher Florian Kurz. Auch bei der Credit Suisse ist laut Mediensprecherin Gérianne Cruz eine Taskforce mit rund 600 Mitarbeitenden im Einsatz.

Bei der Raiffeisen stehen laut Sprecher Joël Grandchamp zusätzliche Experten zur Verfügung, um den KMU bei verschiedenen Fragen unter die Arme zu greifen.

Ungeklärte Fragen beschäftigen Kunden

Die Sorge bei den KMU sei gross, sagt Postfinance-Sprecher Möri. Vom einen auf den anderen Tag hätten sie viele Aufträge verloren und keinen Umsatz mehr erzielt. Kunden der Postfinance seien mit ungeklärten Fragen konfrontiert, was sie mit ihren Mitarbeitenden machen oder wie sie ihre Rechnungen bezahlen.

«Aktuell ist zudem vermehrt zu hören, dass die Geschäftskunden länger warten müssen, bis ihre offenen Debitoren bezahlt werden», sagt Möri. «Dadurch entstehen Liquiditätsengpässe.» Wie Anita Greil von der UBS sagt, sind kleinere Unternehmen vor allem auf Suche nach Sicherstellung der Kosten- und Lohndeckung.

Sarah Kunz
Quelle: CH Media
veröffentlicht: 26. März 2020 15:26
aktualisiert: 26. März 2020 19:37