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Fredy Knie im Interview

«Das Urteil ist eine Genugtuung für uns»

5. Mai 2021, 16:10 Uhr
Fredy Knie junior ist froh über das Urteil des Handelsgerichts St.Gallen. (Archivbild)
© Keystone/ENNIO LEANZA
Das Urteil des Handelsgerichts St.Gallen zum Prozess Circus Knie gegen die Ticketplattform Viagogo ist noch nicht rechtskräftig, der Verwaltungsratspräsident und ehemalige Zirkusdirektor Fredy Knie junior ist aber erleichtert.

Das Handelsgericht St.Gallen hat im Prozess Circus Knie gegen Viagogo einen Entscheid gefällt (PilatusToday berichtete). Im Interview mit dem Ostschweizer Fernsehen TVO spricht Fredy Knie junior, Verwaltungsratspräsident und ehemaliger Zirkusdirektor, über den Fall und darüber, was er vom Urteil hält.

Welchen Schaden hat die ganze Sache mit dem Ticketportal Viagogo für Sie verursacht?

Fredy Knie: Den Schaden hatten die Konsumentinnen und Konsumenten. Es ist natürlich extrem unfair, dass sie überhöhte Preise für die Tickets bezahlen mussten – teilweise bis zu vier Mal mehr. Sie haben den falschen Anbieter angeklickt, über Ticketcorner oder an der Zirkuskasse läuft nämlich alles problemlos ab. Wenn man aber über einen anderen Anbieter wie zum Beispiel Viagogo geht, wird man beschissen und über den Tisch gezogen. Dieser legt den Preis fest und weitere Gebühren fallen an, die nicht angezeigt werden. In dem Moment, in dem man das Angebot anklickt, wird abgebucht und dann taucht der wirkliche Preis auf. Das ist nicht fair.

Die überhöhten Preise alleine waren aber noch nicht alles.

Nein, Viagogo hat zudem oft geschrieben, dass die Vorstellung ausverkauft sei und das hat nicht gestimmt. Teilweise gab die Ticketplattform auch an, es gebe nur noch wenige Billette für eine Vorstellung. Es ist von Anfang bis Schluss ein «Bschiss» dem Kunden gegenüber. Das ist nicht fair und ärgert uns, weswegen wir das auch angegangen sind.

Gab es verärgerte Kundinnen und Kunden, die sich an Sie gewandt haben?

Ja, die meisten. Sie waren verständlicherweise sauer. Aber wenn wir den Fall erläuterten, haben sie verstanden, dass wir nichts dafür können und dagegen unternehmen können. Es handelt sich bei Viagogo um eine Briefkastenfirma, die nicht kontaktiert werden kann. Das einzige, was wir machen konnten, war, ein Upgrade anzubieten, wenn jemand zu viel für einen günstigeren Platz bezahlt hat. Das ging aber auch nur, wenn die Vorstellung nicht ausverkauft war. Ansonsten waren uns die Hände gebunden.

Nun hat Ihnen das Handelsgericht St.Gallen in diesem Prozess Recht gegeben. Wie ist das für Sie?

Es ist sehr gut, denn ich ärgere mich, wenn unsere Kunden beschissen werden. Es ist eine Genugtuung für uns, dass es nun mit fairen Dingen zugehen muss. Wenn sich Viagogo nicht an die Vorschriften hält, werden wir gerichtlich dagegen vorgehen.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Denken Sie, es wird noch weitergezogen?

Das wissen wir natürlich noch nicht. Ich gehe aber davon aus, dass es dabei bleiben wird.

Was bedeutet das Urteil für Ihren künftigen Ticketverkauf?

Wir hoffen, dass das nun alles reibungslos ablaufen wird und dass die Kundinnen und Kunden ihre Tickets bei uns an der Zirkuskasse oder über Ticketcorner kaufen werden.

Der erste Fall tauchte vor rund drei, vier Jahren auf. Bis das Gerichtsurteil da war, vergingen zwei Jahre. Hat sich das für Sie gelohnt?

Es war natürlich ein finanzieller Aufwand für den Circus Knie. Aber dieser hat sich für uns gelohnt. Denn für mich stehen immer das Wohl und die Fairness gegenüber den Konsumentinnen und Konsumenten im Vordergrund.

(red.)

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 5. Mai 2021 15:54
aktualisiert: 5. Mai 2021 16:10