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Oberste Ärztin warnt

Dem Covid-Zertifikat droht ein Debakel

23. Mai 2021, 06:43 Uhr
Für die technische Umsetzung des Zertifikats ist das Bundesamt für Informatik und Telekommunikation (BIT) zuständig. Es stelle allerdings nur die Schnittstelle zur Verfügung, erklärt Felix Schneuwly, Gesundheitsexperte von Comparis. Heute erhalten Geimpfte, Getestete und Genesene eine Bestätigung auf Papier.
Gilli machte in ihrem Schreiben keinen Hehl aus ihrem Frust: «Für die jetzt gewählte Lösung steht der Bund in der alleinigen Verantwortung.»
© KEYSTONE/REGINA KÜHNE

«Doch es ist völlig offen, wie diese Daten dann auf das Smartphone gelangen», sagt Schneuwly gegenüber dem «SonntagsBlick». «Und es ist nicht geklärt, wer sich darum kümmert.» Dessen sind sich auch die Apotheker und Ärzte bewusst.

Bundesrat pfeift Verbände zurück

Ihre Verbände Pharmasuisse und FMH hatten bereits ein eigenes System entwickelt, um ihnen vor Ort die Ausstellung von Zertifikaten zu ermöglichen. Doch an einer gemeinsamen Sitzung am Freitag pfiff der Bund sie zurück: Das Zertifikat sei allein seine Sache. So steht es in einem Schreiben von FMH-Präsidentin Yvonne Gilli, das sie nach der Sitzung den Mitgliedern des Ärzteverbands schickte. Gilli macht darin keinen Hehl aus ihrem Frust: «Für die jetzt gewählte Lösung steht der Bund in der alleinigen Verantwortung.» Wie es weitergehe, wisse sie nicht, schreibt Gilli weiter. «Welche Konsequenzen daraus genau erfolgen, können wir derzeit leider noch nicht abschätzen, weil wir hierfür auf weitere Informationen seitens des Bundes angewiesen sind.»

Doch wer soll den Datentransfer sonst bewerkstelligen? Die Post zeigt Interesse: VR-Präsident Urs Schwaller will in den nächsten Tagen Kontakt mit dem Bund aufnehmen. Doch er dürfte auf taube Ohren stossen. «SonntagsBlick» hat bei den Informatikern in Bern nachgefragt, ob eine Zusammenarbeit mit der Post infrage käme. Das BIT fasst sich kurz: «Nein.» Eine Begründung liefert das Amt nicht. Und auch keine Alternative. Aber eine Lösung braucht es.

Gesundheitsexperte Schneuwly warnt: «Im Juni bricht das Chaos aus, wenn diese Frage nicht zügig geklärt wird.» 

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 23. Mai 2021 06:44
aktualisiert: 23. Mai 2021 06:43