Bildung

Demokratie von Anfang an in Lausanner Kita

23. November 2020, 16:45 Uhr
Demokratie von Kindesbeinen an: In einer Krippe in Lausanne wird regelmässig abgestimmt.
© KEYSTONE/LAURENT GILLIERON
Wie Demokratie funktioniert, soll schon früh gelernt werden. Dieser Ansicht sind drei Lausanner Kinderkrippen. Sie haben ein Projekt lanciert, mit dem rund 30 Kinder zwischen zweieinhalb und drei Jahren das Zusammenleben in der Zivilgesellschaft erlernen sollen.

In Sauvabelin, oberhalb von Lausanne, wurde das Dorf Educalis geschaffen, benannt nach dem Unternehmen, das die Kinderkrippen betreut. Jedem Kind ist eine Rolle zugeteilt worden. So gibt es zum Beispiel einen Gemeindepräsidenten, eine Ärztin, einen Polizisten, eine Architektin und so weiter.

Es werden auch Abstimmungen organisiert, wie zum Beispiel am Montag, als die Kinder das Wappen ihres Dorfes wählten. «Wir wollen ihnen die guten Reflexe der Demokratie weitergeben», sagt Olivier Delamadeleine, Chef der Educalis-Gruppe, der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.

Mit dem Dorfleben und der Organisation von Abstimmungen lernen die Kinder, wie sie sich in der Gesellschaft weiterentwickeln können. «Sie werden mit dem wirklichen Leben konfrontiert. Sie müssen sich mit der Umwelt auseinandersetzen und mit Emotionen wie Frustration umgehen, zum Beispiel wenn sie eine Abstimmung verlieren», sagt Delamadeleine.

Alle zwei Monate an die Urne

Die Abstimmungen finden alle zwei Monate statt. «Nachdem über das Dorfwappen abgestimmt worden ist, müssen die Kinder das nächste Mal darüber entscheiden, wie in ihrem Dorf recycelt werden soll», sagt Eve L'Eplattenier, Kindertagesstätten- und Projektleiterin von Educalis.

«Die Kinder verstehen, was bei diesen Abstimmungen auf dem Spiel steht. Sie sehen, dass sie ihr tägliches Leben im Dorf beeinflussen können», betont sie. Die Kinder spielten ihre Rolle gerne und identifizierten sich mit ihr.

«Die Betreuerinnen und Betreuer bleiben dabei im Hintergrund und versuchen, diese kleine Gesellschaft soweit wie möglich selbstständig funktionieren zu lassen», erklärt. Sie verweist auf das Beispiel eines Kindes, das die Rolle des Dorfarztes spielt und sich von sich aus um ein «Gschpänli» kümmert, das sich beim Spielen in der Krippe ein Wehwehchen zugezogen hat.

Aktive Mitgestaltung, Teilhabe und Verantwortung sind laut Educalis-Gruppe nicht an ein Alter gebunden. Wichtig sind geeignete Strukturen und Unterstützung durch Erwachsene. Manchmal kommen auch Experten zu Besuch in die Krippe. Am Montag war sprach zum Beispiel ein Polizist aus Lausanne zu den Kindern.

Quelle: sda
veröffentlicht: 23. November 2020 16:45
aktualisiert: 23. November 2020 16:45