National League

«Der Trainer ist wie der Autofahrer in der Stadt»

26. Juni 2020, 22:35 Uhr
Don Nachbaur vor dem Berner Mutz
© KEYSTONE/ANTHONY ANEX
Don Nachbaur, 61-jähriger neuer Trainer des SC Bern, ist hier auch für Kenner ein unbeschriebenes Blatt. Was der Kanadier aber kurz nach dem Amtsantritt zu sagen hat, füllt schon mehr als ein Blatt.

Don Nachbaur, Sie sind jetzt erst ein paar Tage in Bern. Haben Sie sich schon eingelebt?

Don Nachbaur: «Ich kenne die Schweiz wirklich gut, ich war ein paarmal mit meiner Frau hier. In Bern bin ich zum ersten Mal. Es ist wunderschön hier, die alte Stadt ist atemberaubend.»

Wissen Sie einigermassen, was Sie hier erwartet?

«Einige Spieler, die ich gecoacht hatte, sagten mir, was für eine schöne Stadt es sei. Mein früherer Coach Dave King rief mich an und sagte mir, welches hier die Erwartungen sein würden. Ich weiss, dass der SC Bern es gewohnt ist, zu gewinnen. Er hat die beste Fan-Basis in ganz Europa und ausserhalb der NHL. Das begeistert mich, auch wenn es Druck bedeutet. Aber ich kenne diesen Druck als Spieler und als Trainer. Du wirst Coach, um zu gewinnen. Und wenn du nicht gewinnst, verlierst du den Job.»

Womit beginnen Sie in diesen Tagen?

«Seit ich hier bin, schaue ich es als meine erste Aufgabe an, mit den Spielern zu reden und sie, jeden Einzelnen, kennenzulernen - und natürlich auch den Staff. Die Organisation hier ist erstklassig, das kann ich schon jetzt sagen.»

Und wenn Sie die Spieler einmal kennen?

"Ich konzentriere mich darauf, die Spieler jeden Tag stärker zu machen. Die Spieler haben zum Teil viel Erfahrung darin zu gewinnen. Vielleicht haben sie es in der letzten Saison ein wenig vergessen. Vielleicht sind sie ein bisschen von diesem Weg abgekommen. So ist es meine Aufgabe, diesen Weg mit den Spielern wiederzufinden. Der Trainer ist manchmal wie ein Autofahrer in der Stadt. Am Schluss muss er einfach den richtigen Weg finden und ans Ziel kommen.

Der SC Bern hat ein durchmischtes Kader mit erfolgsgewohnten Routiniers und mit Jungen.

«Ja, wir haben viele junge Spieler in der Mannschaft. Diese will ich daran gewöhnen, dass sie gewinnen können. Natürlich wird alles über das Training laufen, über ein hartes Training. Wir wollen ein glückliches Team werden.»

Für den Cheftrainer-Posten in Bern gab es viele Bewerber. Waren Sie überrascht, dass die Wahl auf Sie gefallen ist, zumal Sie ja in Europa noch keinen grossen Namen haben?

«Die Leute hier kennen mich tatsächlich noch nicht. Aber ich habe Vertrauen in das, was ich tue. Ich coachte lange Junioren, kam dann auch zu den Profis. Aber ich zog es wegen meiner Familie vor, bei den Jüngeren zu bleiben. Jetzt sind meine Kinder gross, und ich kann das tun, was ich mir immer vorgenommen hatte, nämlich in der NHL (Assistenzcoach bei den Los Angeles Kings, Red.) und in Europa tätig zu sein. Ich coachte auch an der Junioren-WM in Russland. Dort beeindruckten mich die jungen Schweizer. Sie spielen ein Eishockey, das dem der NHL sehr ähnlich ist. Für mich hat die Schweiz eine der besten Ligen in Europa.»

Gibt es Schweizer Spieler, die Sie gut kennen?

«Meine Meinung vom Schweizer Eishockey ist sehr hoch. Selber coachte ich Nino Niederreiter und Sven Bärtschi (bei den Portland Winterhawks in der WHL, Red.). Für mich sind das Weltklassespieler.»

Welche Ihrer bisherigen Anstellungen könnte Ihnen für die Arbeit in Bern am meisten nützen? Die in der NHL oder vielleicht der letzte Job in der Slowakei, in Zvolen?

«Das ist nicht einfach zu beantworten. Es läuft alles über die Spieler und ihren Willen, hundertprozentige Profis zu sein. Ich arbeitete in Los Angeles mit Anze Kopitar. Er ist als Mensch und als Sportler wunderbar. Ich glaube an Leute, die als Profis eine Verantwortung tragen und auch danach leben. Hier geht es nicht um Sieg und Niederlage, sondern um die Einstellung.»

Quelle: sda
veröffentlicht: 26. Juni 2020 22:35
aktualisiert: 26. Juni 2020 22:35