Coronavirus

Die BAG-Experten warnen vor verfrühten Lockerungen

25. Januar 2022, 16:58 Uhr
Die Corona-Fallzahlen sind zwar in der Schweiz weiterhin hoch, mittlerweile stabilisieren sie sich aber. Trotzdem sei weiterhin nicht an eine Aufhebung der Massnahmen zu denken, wie Fachexperten des Bundes an der heutigen Medienkonferenz kommunizierten.

Quelle: CH Media Video Unit / Melissa Schumacher

Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern gehört die Schweiz weiterhin zu den Ländern, mit dem höchsten Infektionsgeschehen. So soll sich gemäss der Covid-19-Taskforce des Bundes wohl bereits jede zehnte Person mit dem Coronavirus angesteckt haben. Mehrheitlich betroffen von den Infektionen sind nach wie vor Personen der Altersklasse zwischen 20 und 39 Jahren. Bei fast 90 Prozent der Ansteckungen handelt es sich um die Omikron-Variante.

Die Ansteckungszahl der Risikopersonen seien hingegen rückläufig, wie Urs Karrer, Vizepräsident der Covid-19 Science Task Force und Chefarzt Infektiologie und Spitalhygiene am Kantonsspital Winterthur, erklärte. Über 60-Jährige würden sich momentan deutlich weniger anstecken, als noch vor ein paar Monaten. «Wir vermuten, dass die Drittimpfungen hier eine Rolle spielen», so Karrer. Auch die Vorsicht der Betroffenen und Drittpersonen könne ein Grund dafür sein.

Wie Patrick Mathys, Leiter Sektion Krisenbewältigung und internationale Zusammenarbeit des BAG, an der Medienkonferenz sagte, breitet sich das Omikron-Virus kontinuierlich und rasch aus. Seit Ende 2021 sind die Hospitalisierungen aber leicht rückläufig. Auch die Anzahl der Patientinnen und Patienten, die auf der Intensivstation behandelt werden, ist gesunken. Bei den IPS-Patienten handelt es sich hauptsächlich um Betroffene der Delta-Variante. Die Anzahl der Todesfälle ist laut Mathys relativ stabil. Durchschnittlich sterben zehn bis fünfzehn Personen pro Tag nach einer Infektion mit dem Coronavirus.

Knapp 100'000 PCR-Tests werden täglich im Labor analysiert, mit einer durchschnittlichen Positivitätsrate von 40 Prozent. «Wir sind an den Kapazitätsgrenzen des Systems», so Mathys.  Die hohe Positivtätsrate bei Tests weise auf eine hohe Dunkelziffer hin. Der deutliche Anstieg der Neuinfektionen habe sich aber verlangsamt. Mathys betont jedoch: «Der Peak der Omikron-Welle ist noch nicht erreicht.» Es sei davon auszugehen, dass die Zahlen noch weiter steigen werden. Wann wir den Höhepunkt der Omikron-Welle erreichen, kann man noch nicht sagen. Mittlerweile hat Omikron aber die Delta-Variante fast verdrängt, verschwinden wird Delta aber nicht.

BAG will keine weiteren Lockerungen

Eine Lockerung der Massnahmen würde laut Mathys zu einer erneuten Zunahme des Infektionsgeschehens führen: «Es ist jetzt zu früh, in Euphorie zu verfallen und die unmittelbare Aufhebung sämtlicher Massnahmen zu fordern.» Wie sich eine Lockerung auf die Hospitalisierungen – vor allem bei älteren Menschen – auswirken würde, könne man nicht voraussagen. Mathys betont, dass man weiterhin die Hygienemassnahmen einhalten und sich nach vier Monaten boostern lassen muss.

Quelle: CH Media Video Unit / Melissa Schumacher

Omikron-Variante aus Dänemark in der Schweiz nachgewiesen

Karrer äusserte sich auch zur neu aufgetauchten Untervariante von Omikron namens BA.2. Diese sei in der Schweiz bisher zehnmal nachgewiesen worden, mit steigendem Anteil. Es gebe Anhaltspunkte, dass sich diese Variante noch schneller verbreitet als Omikron. Allerdings gebe es keine Hinweise für schwerere Verläufe. «Es wird vermutet, dass die Immunität auch gegen die Untervariante schützt», sagte Karrer.

Quelle: CH Media Video Unit / Melissa Schumacher

Ausfälle von Personal verursachen grosse Probleme in der Wirtschaft

Die Omikron-Variante hat massive Auswirkungen auf die Wirtschaft, wie Jan Egbert-Sturm, Vizepräsident National Covid-19 Science Task Force und Professor an der ETH Zürich, bestätigt. Nicht nur Personalausfälle, sondern auch Lieferengpässe verursachen grosse Probleme. Ausnahmen gibt es im Gastgewerbe, denn dort sei vor allem die fehlende Nachfrage der entscheidende Faktor.

Weiter erzählt Egbert-Sturm: «Zwischen 30 und 45 Prozent der Unternehmen berichten, dass die Ausfälle beim Personal sie vor Probleme stellen.» Trotz des fehlenden Personals bleibe der Umsatz laut einer Umfrage in verschiedenen Branchen jedoch stabil. Trotz spürbaren Einschränkungen könne sich die Wirtschaft gut behaupten.

(mbr)

Quelle: ArgoviaToday
veröffentlicht: 25. Januar 2022 16:58
aktualisiert: 25. Januar 2022 16:58
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