Dschihad

Die Rolle der Frau im islamistischen Terror

29. November 2020, 09:45 Uhr
Frauen nehmen im Dschihad eine immer grössere Bedeutung ein.
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In Morges im September und jetzt in Lugano ist es zu den ersten mutmasslich dschihadistisch motivierten Gewalttaten auf schweizerischem Gebiet gekommen. Neu ist, dass eine Frau zur Attentäterin wurde. Dies könnte in Zukunft aber vermehrt vorkommen, sagt ein Experte. Die Rolle der Frau im Dschihad hat sich gewandelt.

Nach dem Messerangriff einer IS-Sympathisantin am Dienstag in Lugano mahnt Fedpol-Direktorin Nicoletta della Valle zur Wachsamkeit. In einem Interview mit der SonntagsZeitung sagt sie: «Der dschihadistische Terror zielt auch auf die Schweiz.»

In Morges im September und jetzt in Lugano ist es zu den ersten mutmasslich dschihadistisch motivierten Gewalttaten auf schweizerischem Gebiet gekommen. Beim Tötungsdelikt im Waadtland wie beim Angriff im Tessin waren die nun Verhafteten aus Terrorermittlungen bekannt und psychisch auffällig. Die oberste Polizistin des Bundes warnt davor, die Taten ausschliesslich durch mögliche Krankheitsbilder zu erklären: «Wir müssen aufpassen, dass wir Terror nicht banalisieren und sagen: Das ist nicht Dschihad.» Terror-Rekrutierer gelangten oft an ganz junge Leute aus schwierigen Verhältnissen und an Menschen mit psychischen Problemen.

Frau hätte vor Jahren in die Psychiatrie eingewiesen werden sollen

Die Frau, die in Lugano zwei weibliche Opfer verletzte, wollte 2017 nach Syrien zu einem IS-Kämpfer reisen, in den sie sich verliebt hatte. Gemäss della Valle hätte sie bereits vor ihrer Abreise in die Psychiatrie eingewiesen werden sollen. Nachdem sie in der Türkei gestoppt und zurückgeschafft wurde, kam sie in psychiatrische Behandlung und verschwand vom Radar der Sicherheitsbehörden.

Bedeutung der Frau hat sprunghaft zugenommen

Dass eine Frau ein terroristisches Attentat verübt, ist allerdings neu. Während Jahren hatten Frauen im Dschihadismus nur eine Aufgabe: Sie mussten heiraten, Kinder gebären und diese auf- und erziehen. Doch in den letzten Jahren hat ihre Bedeutung sprunghaft zugenommen. «Bei den Dschihadisten werden Frauen immer wichtiger», sagt Max Hofer, der im letzten Oktober eine Studie über den radikalen Islam in der Schweiz veröffentlicht hat gegenüber der NZZ am Sonntag.

«Heute verbreiten sie auch Propaganda, rekrutieren Dschihad-Reisende und verüben auch Attentate.» Ähnliches sagt Géraldine Casutt von der Universität Fribourg, die eine Dissertation über Dschihadistinnen und ihr Verhältnis zur Gewalt schreibt: «Seit drei, vier Jahren haben Frauen im Dschihadismus eine viel aktivere Rolle», erklärt die Wissenschafterin. «Und wegen dieser aktiveren Rolle ist auch die Zahl der Dschihadistinnen gestiegen, die selbst Anschläge machen.»

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 29. November 2020 08:53
aktualisiert: 29. November 2020 09:45