Schweiz

Die SBB entwickle sich zur Datenkrake

15. März 2020, 18:33 Uhr
Wer mit der SBB reist, gibt viele wertvolle Daten preis
© SBB Mobile App Screenshot
Wer mit der SBB reist, gibt viele wertvolle Daten preis

Kundendaten sind digitale Schätze. Alleine mit Ortungsdaten lassen sich ganz genaue Profile skizzieren. Auch die SBB sammelt immer mehr Daten und verdient damit Geld. Datenschützer schlagen Alarm.

Einsteigen, ein Wisch auf dem Handy und zurücklehnen. Die SBB-App berechnet den günstigsten Ticket-Preis für die gefahrene Strecke. Der relativ neue Dienst der SBB – «EasyRide» – verzeichnet bereits 500'000 Personen, berichtet «SRF». Einfach und bequem – genauso für die SBB, die damit jederzeit die Position der Passagiere speichert.

Wie eine Person pendelt, verrät viele über sie. Zudem besitzt die SBB Daten von 3.7 Millionen SwissPass-Nutzern – persönliche Daten wie Name, Adresse, Telefonnummer und Bild. «Wenn man weiss, wo jemand arbeitet oder schläft, weiss man auch wer er ist», sagt der Eidgenössische Datenschutzbeauftragte Adrian Lobsiger.

Datenkrake wie Google oder Facebook

Software Entwickler Volker Birk vom Chaos Computer Club geht einen Schritt weiter. Er stuft die SBB gleich ein wie die amerikanischen Datenkraken Google oder Facebook. Die Sammelwut der SBB macht sie auch zur Zielscheibe für Kriminelle, die nach solchen Daten lechzen. Aber auch Geheimdienste sind auf so eine Datenbank scharf. «Die SBB verkauft die Daten im Internet und macht damit ein Geschäft», sagt Volker Birk.

Gewinn mit Werbung

Die SBB selbst bestätigt, dass sie auf einer «kommerziell hochinteressanten Datensammlung sitze». Aber die Bewegungsdaten seien ausschliesslich dafür da, um den richtigen Tarif zu verrechnen, und um auf Nachfragen oder auf Betrug zu reagieren. Markus Basler, Leiter von SBB Digital Business sagt zu SRF: "Unser Ziel ist nicht, mit Werbung den Ertrag zu maximieren. Wir nutzen die Daten nur da, wo es sinnvoll ist." Die SBB betont, dass die Daten bestmöglich geschützt seien. Sie gebe keine Daten an Dritte weiter.

Trotzdem, die SBB zeigt personalisierte Werbung auf der Website, in der App und auch auf den Billettautomaten. Die Werbung sei zwar eine Nische, doch die SBB verdiene mit der digitalen Werbung jährlich einen einstelligen Millionenbetrag.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 26. Februar 2020 11:53
aktualisiert: 15. März 2020 18:33