Ärztestatistik

Die Schweiz wird immer abhängiger von Ärztinnen und Ärzten aus dem Ausland

23. März 2022, 11:02 Uhr
Die Ärzteschaft in der Schweiz wird im Durchschnitt immer älter und weiblicher. Erneut zugenommen hat auch der Anteil von Ärztinnen und Ärzten mit ausländischen Diplom. Es sind nach den neusten Zahlen des Berufsverbandes FMH inzwischen über 38 Prozent.
Der Anteil von Ärztinnen und Ärzten mit ausländischen Diplom in der Schweiz steigt weiter an. Inzwischen sind es nach den neusten Zahlen des Berufsverbandes FMH über 38 Prozent. (Symbolbild)
© KEYSTONE/DPA/SINA SCHULDT

2021 waren in der Schweiz insgesamt 39'222 Ärztinnen und Ärzte berufstätig, wie aus der am Mittwoch veröffentlichten FMH-Ärztestatistik 2021 hervorgeht. Das sind 720 mehr als im Vorjahr und damit 1,9 Prozent mehr als noch vor Jahresfrist.

Die Zunahme ist hauptsächlich auf Medizinerinnen zurückzuführen. Bei den Männern gab es im Vergleich zum Vorjahr nur einen geringen Anstieg. Damit hat sich der Frauenanteil in der Ärzteschaft insgesamt auf 44,9 Prozent erhöht. Zum Vergleich: Im Jahr 2000 lag der Frauenanteil noch bei 29,1 Prozent.

Viele deutsche Ärztinnen und Ärzte

Die Abhängigkeit des Schweizer Gesundheitswesens von ausländischen Ärztinnen und Ärzten nahm auch im vergangenen Jahr weiter zu. 38,4 Prozent aller in der Schweiz praktizierenden Ärztinnen und Ärzte hatten ihre Ausbildung im Ausland abgeschlossen. Das entspricht einer Zunahme um ein Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Besonders ausgeprägt ist der Anteil ausländischer Ärzte im Spitalsektor mit fast 41 Prozent. Der Grossteil der ärztlichen Fachkräfte mit einem im Ausland erworbenen Arztdiplom stammt laut FMH-Statistik aus Deutschland (51,8 Prozent), gefolgt von Italien (9,2 Prozent), Frankreich (7,2 Prozent) und Österreich (6,0 Prozent).

Laut FMH zeichnet sich ab, dass die Abhängigkeit vom Ausland bei den medizinischen Fachkräften in den kommenden Jahren eher weiter zunehmen wird. Ob in der Schweiz in Zukunft genügend Ärztinnen und Ärzte für die fachgerechte Versorgung von Patientinnen und Patienten zur Verfügung stünden, sei massgeblich von anstehenden politischen Entscheiden abhängig, etwa über den neuen Arzttarif Tardoc.

Altersdurchschnitt deutlich angestiegen

Das Durchschnittsalter der in der Schweiz aktiven Ärztinnen und Ärzte lag 2021 bei 50 Jahren. Ein Viertel der Ärzteschaft ist 60 Jahre alt oder älter. Das Durchschnittsalter ist laut Angaben der FMH damit in relativ kurzer Zeit beträchtlich angestiegen.

Der Frauenanteil an der Ärzteschaft dürfte in den nächsten Jahren weiter zunehmen. Im Studienjahr 2020/2021 waren nämlich von den 5649 Studierenden im Bachelorstudiengang Humanmedizin mit 3652 Frauen deutlich mehr Frauen als Männer eingeschrieben. Auch im Masterstudiengang waren es deutlich mehr Studentinnen als Studenten (2205 Frauen und 1451 Männer).

Quelle: sda
veröffentlicht: 23. März 2022 10:57
aktualisiert: 23. März 2022 11:02
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