Mixed Martial Arts

Diese Schweizerin kämpft gegen die Besten der Welt

Mauro Lorenz, 2. Mai 2021, 14:36 Uhr
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Quelle: FM1Today

Stephanie Egger steht vor ihrem zweiten Kampf in der UFC. Am 22. Mai trifft sie in Las Vegas auf die Amerikanerin Sarah Alpar. Zu Besuch beim harten Vorbereitungstraining der einzigen Schweizer UFC-Fighterin.

St.Gallen – es ist einer dieser Frühlingstage: Der Blick aus dem Fenster verspricht Sonne und schönes Wetter, aber beim Schritt vor die Haustür ist es kälter als man denkt. Ich knüpfe also meine Jacke zu und suche weiter das Buddy Gym, die Trainingsstädte von Stephanie Egger. Mitten im Industriegebiet frage ich einen Passanten um Hilfe: «Ganz hinten.» Dank dieser genauen Angabe finde ich es dann auch, unscheinbar und versteckt taucht das Gym hinter den Fabriken auf. Komisch, denke ich mir, bald kämpft sie in der Königsklasse des Kampfsports in Las Vegas und hier schert sich keiner um sie.

Bescheiden und liebevoll

Treppen führen in den dritten Stock, einen Aufzug gibt es nicht. Angekommen im Buddy Gym begrüsst mich freundlich ein Hund. «Oh, tut mir leid, das ist meiner», sagt Stephanie Egger und führt den Hund an seinen Platz. Das Gym ist bescheiden und liebevoll eingerichtet, Bilder der Kämpfenden schmücken die Wände und die bekannten Boxergürtel erzählen von vergangenen Erfolgen. «Auch aus einem kleinen Gym kann man erfolgreich werden», wird mir Stepahnie Egger später sagen.

«Kampfsport ist ehrlich»

Egger ist zurückhaltend und spicht nur, wenn sie angesprochen wird. Ihre Muskeln fallen sofort ins Auge, würde man sie aber auf der Strasse treffen, wäre sie unauffällig. Wie kommt sie zum Kampfsport? «Kampfsport ist das Ehrlichste, was man machen kann. Fehler und Schwächen werden direkt bestraft.» Erst jetzt, wo wir über ihren Sport sprechen, kommen wir ins Reden. Mit einer scheuen Begeisterung in den Augen schwärmt von den Kämpfen, die sie am vergangenen Wochenende geschaut hat. Sie empfiehlt mir, die Kämpfe unbedingt nachzuschauen: «Es war krass!»

Während des Gesprächs bauen wir die Kameras auf und Egger positioniert sich für das Interview. Sie hat keine Allüren oder Wünsche. Das Interview wirkt auf mich mehr wie ein Pflichttermin, den sie erfüllen muss, bevor sie trainieren darf. Höflich lächelnd sitzt sie da und beantwortet meine Fragen im Video oben.

Vorbereitung und Fokus

Mir fällt wieder auf, wie enorm fokussiert sie ist. Die Gegnerin, Sarah Aplar, hat sie bestens studiert. Die Kampfvorbereitung ist streng organisiert. Die Reise bereits genaustens geplant. Nichts wird dem Zufall überlassen: «Ich will den bestmöglichen Eindruck in der UFC hinterlassen.»

Mit ihrer ruhigen und durchdachten Art findet sie auf alle Fragen eine passende Antwort.

Angesprochen auf ihre historische Errungenschaft, als erste Schweizer Frau in der UFC zu kämpfen, sagt sie bescheiden: «Wir müssen zusammenhalten. Die Schweiz hat viele gute Kämpfer und Kämpferinnen, ich hoffe, dass diese nun nachziehen können.» Vor ihr hat es bisher nur Volkan Özdemir aus Fribourg in die grösste MMA-Liga der Welt geschafft, wo er sehr erfolgreich im Halbschwergewicht kämpft und auch schon um den Titel fighten durfte. Will die 32-jährige Judoka Egger nachziehen, braucht sie am 22. Mai einen Sieg. Bei ihrem UFC-Debut letzten Oktober verlor sie nach Punkten und die UFC ist nicht dafür bekannt, geduldig mit ihren Newcomern umzugehen. 

Endlich Training

Nach der letzten Antwort und einer höflichen Nachfrage, ob wir noch was brauchen, steht Egger auf. Sie geht direkt zu den Boxhandschuhen. Musik wird aufgedreht. Das Training beginnt. Sie und ihr Trainer sind eingespielt. Die Kommunikation braucht keine grossen Worte. Die Schlagkombinationen fliessen, gefühlt rhytmisch zu der Rapmusik, aus dem Unterbewusstsein. Fasziniert von der Präzision und der Kraft, filme ich die beiden noch eine Weile. Irgendwann habe ich genügend Material, wünsche den beiden viel Erfolg und verabschiede mich.

Zurück im Industriegebiet werde ich wieder von der Kälte überrascht. Also knöpfe ich mir meine Jacke wieder zu und schreibe dabei eine Notiz in mein Handy: Kämpfe vom Wochenende nachsehen.

Mauro Lorenz
Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 2. Mai 2021 11:30
aktualisiert: 2. Mai 2021 14:36