Anzeige
Presseschau

Druck auf Bundesrat steigt, Contact Tracing am Anschlag und schizophrene Konzerne

14. Februar 2021, 07:20 Uhr
Trotz Bedenken wird der Druck auf den Bundesrat, die Coronamassnahmen bald zu lockern, immer grösser. Bei neun von zehn Corona-Ansteckungen bleibt der Ansteckungsort unbekannt und Schweizer Grosskonzerne zeigen sich in der Krise grosszügig – gegenüber Aktionären. Das Wichtigste aus der Sonntagspresse.
Mögliche Lockerungen der Coronamassnahmen dominieren die Sonntagspresse. (Archivbild)
© Keystone / Christian Beutler

«Sonntagszeitung»

Probleme beim Contact Tracing in sechs Kantonen nachgewiesen

Das Contact Tracing kämpft mit grösseren Problemen als bislang angenommen. Laut «Sonntagszeitung» sei bei 87 Prozent der Corona-Fälle der Ansteckungsort unbekannt. Dies zeige ein internes Papier der Bundesverwaltung, welches Daten aus sechs Kantonen ausgewertet hat. Bisher sei man davon ausgegangen, dass unbekannte Ansteckungsorte etwa die Hälfte der Fälle ausmachen. Das Dokument zeige weiter, dass 43 Prozent der Ansteckungen im privaten Raum erfolgten, 23 Prozent am Arbeitsplatz, 9 Prozent in Altersheimen und 7 Prozent bei Versammlungen. In Läden und Restaurants hingegen würden kaum Ansteckungen nachgewiesen.

Viele Maskensünder unter Zuger Lehrpersonen und Lernenden

Laut «Sonntagszeitung» zeigt sich an den Schweizer Schulen, dass sich Lehrer und Schülerinnen oft nicht an die festgelegten Regeln und Schutzkonzepte halten. So seien etwa im Kanton Zug seit dem letzten Sommer 88 Kontrollen durchgeführt worden. Dabei stellten die Behörden in 29 Fällen Mängel fest – häufig wegen Masken oder Mindestabstand. Auch in anderen Kantonen gab es zahlreiche Ermahnungen, vielfach darum, weil die Masken unter der Nase getragen wurden. Einzelne Kantone verzichten auf Kontrollen. Sie überlassen, zum Ärger des Bundesamtes für Gesundheit, die Aufsicht den Schulleitungen.

Dividendenregen trotz Krise und Kurzarbeit

Die Dividenden, die sich Aktionärsfamilien dieses Jahr auszahlen lassen, stehen teils im Widerspruch zum Verhalten ihrer Firmen während der Coronakrise. So gab der Ems-Chemie-Konzern, der von Nationalrätin Magdalena Martullo-Blocher geleitet wird, diese Woche bekannt, dass er eine Dividende von 398 Millionen Franken ausschüttet. Zugleich hat die Ems-Chemie für einen Teil der Belegschaft Kurzarbeit eingeführt, wie die «Sonntagszeitung» schreibt. Und obwohl der weltgrösste Uhrenhersteller Swatch Group erstmals rote Zahlen schreibt, will der Verwaltungsrat eine Dividende von 181 Millionen Franken ausschütten. Dies trotz weltweitem Stellenabbau um 10 Prozent oder 3'700 Mitarbeitende. 

«Sonntagsblick»

Lockerungs-Druck trotz Bedenken

Selbst für eine zögerliche Öffnung ist es nach Ansicht von Gesundheitsminister Alain Berset zwar eigentlich zu früh. Doch der Lockerungs-Druck ist vor allem aus der Westschweiz gross, wie der «SonntagsBlick» schreibt. Konkret sollten ab 1. März Sportanlagen und Fitnesszentren sowie Schwimmbäder wieder geöffnet werden. Grundsätzlich braucht es laut SVP-Präsident Marco Chiesa ein Konzept, das Schritt für Schritt aufzeige, unter welchen Bedingungen welche Massnahmen aufgehoben werden könnten.

«NZZ am Sonntag»

Wirtschaft mit «Vier-Schritte-Plan»

Die Wirtschaftsverbände wollen laut «NZZ am Sonntag» in vier Schritten zurück zur Normalität finden. Economiesuisse und der Arbeitgeberverband haben dem Bundesrat diese Woche eine «Exit-Strategie» vorgelegt. Sie fordern erste Lockerungen für Läden ab dem 1. März. Die Regel von fünf Personen für Versammlungen sollte gelockert und die Homeoffice-Pflicht ebenfalls aufgehoben werden. Weitere Lockerungen will die Wirtschaft vom Fortschritt bei den Impfungen machen, dank Privilegien für Geimpfte. 

Quelle: PilatusToday / sda
veröffentlicht: 14. Februar 2021 07:20
aktualisiert: 14. Februar 2021 07:20