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Länder-Vergleich

Du denkst, die Schweizer Corona-Massnahmen sind streng?

27. August 2021, 09:07 Uhr
Geht es nach dem Bundesrat, soll in Gastrobetrieben, Kultur- und Freizeiteinrichtungen und an Veranstaltungen in Innenräumen bald eine Zertifikatspflicht gelten. Die Gastrobranche tobt bereits. Doch ein Blick über den Tellerrand zeigt: Andere Länder sind noch viel strenger.

Die Zahlen der Neuinfektionen und Hospitalisationen steigen, der Bundesrat wappnet die Schweiz gegen die vierte Welle. Das könnte etwa eine Zertifikatspflicht in Innenräumen von Restaurants, Bars, Clubs, Freizeit- und Kulturbetrieben oder bei Veranstaltungen im Innern beinhalten. Das heisst: Wer nicht genesen, getestet oder geimpft ist, kommt nicht rein. Den Vorschlag hat der Bundesrat am Mittwoch in die Vernehmlassung geschickt. Nächste Woche wird definitiv entschieden.

Noch während die Medienkonferenz des Bundesrats am Laufen war, nahm Gastrosuisse bereits öffentlich Stellung: Als «verfassungswidrig» und «diskriminierend» bezeichnete Verbandspräsident Casimir Platzer den Vorschlag des Bundesrats. Doch ist die Schweiz wirklich so streng? Schränken uns die Corona-Massnahmen wirklich so erheblich in unserem Leben ein?

Zertifikats- und Maskenpflicht

Es braucht keinen Blick in weite Ferne, um zu erkennen, dass andernorts striktere Regeln gelten. Deutschland etwa war schon im vergangenen Jahr strenger als die Schweiz. So galt beispielsweise auch im Sommer eine Maskenpflicht in den Läden, während sie in der Schweiz erst im Herbst national verordnet wurde. Beim Nachbarn im Norden gilt nun seit Montag die 3G-Regel: Sie deckt sich grösstenteils mit dem Vorschlag des Bundesrats für die Massnahmen in der Schweiz. Nur wer geimpft, genesen oder getestet ist, darf zum Beispiel in Spitäler, Pflegeeinrichtungen, Innenräume von Gastrobetrieben, Veranstaltungen im Innern oder körpernahe Dienstleistungen in Anspruch nehmen. Die Regel gilt für alle ab sechs Jahren. In öffentlich zugänglichen Innenräumen gilt zudem überall Maskenpflicht.

In Italien gilt ebenfalls Maskenpflicht in öffentlich zugänglichen Innenräumen. Dazu zählen auch Restaurants. Auch im Auto muss Maske getragen werden, wenn die Insassen nicht verheiratet respektive in einer festen Beziehung sind oder im gleichen Haushalt leben. Es dürfen maximal drei Personen aus unterschiedlichen Haushalten im Auto sitzen – und müssen dabei Abstand halten.

Auch in Frankreichs öffentlich zugänglichen Räumen wie Läden, Ämter, Schulen oder öV gilt Maskenpflicht. An diversen Orten braucht es zudem einen «Gesundheitspass», dem Pendant des Covid-Zertifikats. Zu diesen Orten zählen etwa Bars, Restaurants, Einkaufszentren, Spitäler und Pflegeeinrichtungen.

Österreich ist noch strenger: Die 3G-Regel gilt hier in der gesamten Gastronomie, aber auch bei Zusammenkünften von mehr als 100 Personen. Wer sich an diesen Orten zudem länger als 15 Minuten aufhält, muss seine Kontaktdaten hinterlassen. In Bars und Clubs, der sogenannten «Nachtgastronomie» gilt sogar eine 2G-Regel. Zutritt haben hier nur Geimpfte und Getestete.

Lockdown

Für besonders strikte Massnahmen bekannt ist nebst China auch Neuseeland. Am Donnerstag wurden dort 68 Neuinfektionen gemeldet – so viele wie seit April nicht mehr. Im Land gilt deshalb Alarmstufe 4. Das heisst, das Land befindet sich im Lockdown. Wer das Haus verlassen will, braucht dafür einen guten Grund. Gefährliche Sportarten sind derzeit nicht erlaubt. In den Läden darf auch nichts verkauft werden, das vor Ort verzehrt werden kann. Tankstellen dürfen also beispielsweise keinen Kaffee zum sofort Trinken ausgeben. Restaurants, Bars, Cafés, Fitness und Freizeiteinrichtungen sind geschlossen.

Auch die libysche Hauptstadt Tripolis und West-Libyen befinden sich in einem Teil-Lockdown. Zwischen 18 und 6 Uhr gilt eine Ausgangssperre und Restaurants, Bars, Cafés und nicht systemrelevante Geschäfte müssen geschlossen bleiben. Die meisten Grenzübergänge sind geschlossen, eine Einreise ist deshalb nur mit Visum und über die Türkei möglich. Eine nächtliche Ausgangssperre gilt übrigens auch in Südafrika.

Impfpflicht

Manche Schweizer Massnahmen-Skeptiker sehen in der Zertifikatspflicht gar einen indirekten Impfzwang. Im kleinsten Land der Welt ist die Impfpflicht hingegen bereits Realität. Im Vatikan gilt nämlich eine Impfpflicht für alle Bewohner und Angestellten – also auch für die Schweizer Garde. Die Pflicht gilt bereits seit Februar, berichtet ZDF. Auch in Tadschikistan und Turkmenistan gilt für Erwachsene eine Impfpflicht.

(vro)

Quelle: ArgoviaToday
veröffentlicht: 27. August 2021 05:52
aktualisiert: 27. August 2021 09:07