Corona-Kredit

Ein Betrüger erklärt seine Abzock-Masche

5. Oktober 2020, 10:09 Uhr
Die einfache Handhabung bei der Vergabe von Corona-Krediten hat auch Betrüger angelockt.
© Keystone
Um die Unternehmen in der Coronakrise zu unterstützen, versprach der Bund, Kredite ohne bürokratischen Aufwand zu gewähren. Zinslose Darlehen bis zu 500'000 Franken, so das Versprechen. Das lockte auch Betrüger an. Einer packt im Tages-Anzeiger aus und erzählt seine Geschichte.

Nicht im Traum hatte Vasily* gedacht, dass er je einen Kredit für eine seiner Firmen erhalten würde. Zu gross das Vorstrafenregister, zu auffällig sein unternehmerisches Verhalten.

Der 23-Jährige sass schon im Gefängnis: Rauschgifthandel, diverse Betrugsdelikte, Urkundenfälschung und Misswirtschaft im Zusammenhang mit Konkursen.

«Meine Masche war einfach: Du übernimmst eine Firma, kaufst auf Rechnung Waren ein, verkaufst diese Waren und schickst die Firma dann in den Bankrott», erzählt Vasily gegenüber dem Tages-Anzeiger. Wegen solcher Manöver habe er bereits die Staatsanwaltschaft an den Fersen.

50'000 Franken innert 20 Minuten

Trotzdem: Vasily versucht aus Spass «einfach mal» einen Corona-Kredit zu bekommen. Er erfindet einen Umsatzerlös für seine IT-Firma und innert 20 Minuten hatte ihm seine Bank 50'000 Franken gutgeschrieben. «Ohne Vorlage eines Betreibungsregisterauszugs weder meiner Firma noch von mir», so Vasily gegenüber dem Tages-Anzeiger.

Getreu seinem Geschäftsmotto meldet er danach auch für seine IT-Firma Konkurs an. Das zuständige Bezirksgericht fragt im Rahmen des Konkurseröffnungsverfahrens nach, was er mit dem Kredit gemacht habe. Vasily gibt an, damit andere Schuldner bezahlt zu haben.

Rucksack von Gucci für 1'000 Franken

Vasily habe vor, das Geld dem Staat zurückzuzahlen, sagt er gegenüber dem Tages-Anzeiger. Den Kredit habe er nämlich nicht nur für seinen teuren Lebensstil, darunter einen Gucci-Rucksack für 1'000 Franken und einen sportlichen Mercedes, ausgegeben.

Der Geschäftsmann gibt an, dass er das Geld investiert habe – auch das wäre nicht gestattet.

Bei dem Betrug sei er nicht alleine, erklärt Vasily, auch seine Freunde hätten sich so Kredite besorgt.

Analog dazu ist auch die Anzahl laufender Verfahren gestiegen. Im Kanton Zürich hat sich laut dem Tages-Anzeiger die Zahl der Ermittlungen seit Juni mehr als verdreifacht.

*Name geändert

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 5. Oktober 2020 07:59
aktualisiert: 5. Oktober 2020 10:09