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Keine Küken mehr töten

Entscheid von Bio Suisse stösst auf offene Ohren

Chantal Herger, 30. November 2021, 14:05 Uhr
Kurz nach dem Schlüpfen werden sie getötet: die männlichen Küken. Dies, weil sie keine Eier legen und sich nicht zum Mästen eignen. Nun hat Bio Suisse entscheiden, dass dies ab 2026 verboten ist. Ein Beschluss, der auf offene Ohren stösst.
Männliche Küken der Legehennen sollen ab 2026 nicht mehr getötet werden, hat Bio Suisse beschlossen.
© Getty

Für den Pächter des Biohofs Agrovision Burgrain, Andreas Nussbaumer, hat Bio Suisse die richtige Entscheidung getroffen: «Wir können nichts anderes verantworten und es macht aus ethischer Sicht Sinn.» Zwar wurden auf seinem Hof bisher keine männlichen Küken getötet, weil nur weibliche Legehennen eingekauft wurden. Diese bezieht er bei Brütereien wie beispielsweise der Biobrüterei Bibro AG sowie der Animalco AG. Heisst aber, in diesen Produktionsstätten wurde und wird ein grosser Teil der männlichen Küken mit CO2 getötet. Der neue Beschluss von Bio Suisse bringt deshalb für diese Betriebe einige Änderungen mit sich.

«Wir müssen unter anderem die Rassen anpassen und mehr Personal einplanen, da nun auch jedes männliche Küken «verarbeitet» und zu den Landwirten in der ganzen Schweiz ausgeliefert werden darf», schreibt Andreas Döbeli, Leiter Qualitätsmanagement und Betreuung Elterntiere bei der Firma Animalco AG. Es soll eine Rasse entwickelt werden, welche als Zweinutzungshuhn eingesetzt werden kann. Eine also, deren weibliche Tiere genügend Eier legen und die männlichen für die Mast eingesetzt werden können.

Bio-Eier werden wohl teurer

Bereits auf das Aufziehen der Brüder setzt die Bibro AG in Sempach. «Wir sind überglücklich über den Entscheid, wir versuchen seit Jahren das Kükentöten zu umgehen.» Dieser Verbandsentscheid sei nötig gewesen, um alle Marktteilnehmer mit einzubeziehen. Wie der Geschäftsführer Adrian Huber erklärt, könne ihr Betrieb grösstenteils wie gehabt weitergeführt werden. Jedoch müsse die Infrastruktur auf den landwirtschaftlichen Betrieben für den sogenannten Bruder-Hahn ausgeweitet werden, also für die Tiere, die nun neu gemästet statt getötet werden sollen.

Als Konsequenz werden Bio-Eier teurer werden, da sind sich alle einig. Dies, weil die Zweinutzungshühner in der Aufzucht und Haltung ineffizienter sind und mehr Futter benötigen. Zudem wird mehr des produzierten Futters für die Tiere statt für den Menschen benötigt.

Obwohl der Entscheid von Bio Suisse, ab 2026 auf das Kükentöten zu verzichten, einige Herausforderungen mit sich bringt, sei es eine Chance für die Bio-Eierproduktion, um ein heikles Thema zu lösen, so Döbeli von der Animalco AG.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 1. Dezember 2021 11:25
aktualisiert: 30. November 2021 14:05