Kindermedizin

Erstmals in der Schweiz Lymphknoten bei einem Kind transferiert

25. März 2021, 13:12 Uhr
Lymphödem bei einem Kind. Normalerweise wird es mit Kompression oder Drainage behandelt - vorübergehend. Prof. Nicole Lindenblatt vom Kinderspital Zürich hat nun erstmals in der Schweiz einen Lymphknotentransfer an einem Kind durchgeführt, um das Problem auf Dauer zu beheben (Pressebild).
© Universitätsspital Zürich
Erstmals in der Schweiz ist einem Kind ein Lymphknoten transferiert worden. Die Operation sei erfolgreich verlaufen, meldete das Unispital Zürich am Donnerstag: Die durch das Lymphödem entstandene Flüssigkeitsansammlung im Bein des Kindes nehme messbar ab.

Lymphödeme sind sicht- und tastbare Flüssigkeitsansammlungen im Zwischenzellraum. Sie entstehen, wenn das Lymphgefässsystem die Lymphe nicht ausreichend abtransportieren kann. In der Folge entstehen Schwellungen. Behandelt werden sie für gewöhnlich mit Kompressionen und Lymphdrainage. Die Ursache ist damit nicht behoben, die Schwellungen kommen stetig zurück.

Die gezielte Transplantation beziehungsweise der Transfer von gesunden Lymphknoten kann das Ödem dauerhaft zum Verschwinden bringen. Bei einem Erwachsenen wurde das Verfahren in der Schweiz erstmals am Universitätsspital Zürich (USZ) im Jahr 2015 angewendet.

Das nun operierte Kind sei ein schwerwiegender Fall und deshalb qualifiziert für den schwierigen Eingriff, habe ein vom Zentrum Kinderhaut des Universitäts-Kinderspitals organisiertes Vascular Anomalies Board beschlossen. «Die üblichen Behandlungen mittels Kompression oder Lymphdrainage sind für Kinder besonders unangenehm», sagt Isabelle Luchsinger, Leiterin der Spezialsprechstunde Lymphödeme und Oberärztin für Dermatologie am Kinderspital Zürich.

Kooperation von Uni- und Kinderspital

Der von USZ und Kinderspital gemeinsam durchgeführte Eingriff dauerte fünfeinhalb Stunden. Zunächst lösten Prof. Christian Gutschow, Viszeralchirurg am USZ, und Prof. Ueli Möhrlen, Viszeral- und Thoraxchirurg am Kinderspital Zürich, ein Lymphknotenpaket laparoskopisch aus dem Bauchraum.

Im Anschluss wurde das entnommene Lymphknotenpaket von Nicole Lindenblatt, der leitenden plastischen Chirurgin und stellvertretenden Direktorin der Klinik für plastische und Handchirurgie am USZ, unter dem Mikroskop an die Gefässe in der Leiste des erkrankten Beins angeschlossen. Das gilt als extrem anspruchsvoll: Die Gefässe sind nur zwischen einem und zwei Millimeter dick.

Quelle: sda
veröffentlicht: 25. März 2021 13:05
aktualisiert: 25. März 2021 13:12