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Coronavirus

Gefälschte Covid-Zertifikate in der Waadt und Genf verkauft

8. Oktober 2021, 17:06 Uhr
In den Kantonen Genf und Waadt sind Hunderte gefälschte Covid-Zertifikate ausgestellt worden. In der Waadt waren Mitarbeitende von Apotheken am Betrug beteiligt. In Genf war ein Fälscherring am Werk, vier Personen wurden festgenommen.
In den Kantonen Genf und Waadt wurden Hunderte gefälschte Covid-Zertifikate ausgestellt. Zum Teil wurden diese zu einem Preis von bis zu 400 Franken verkauft. (Symbolbild)
© Keystone/CHRISTIAN BEUTLER

Unter den Festgenommen sind Mitarbeiter des Zivilschutzes, die in einem Impfzentrum arbeiteten, wie der Genfer Generalstaatsanwalt Olivier Jornot am Freitag an einer Medienkonferenz sagte. Die mutmasslichen Täter sollen fast 200 gefälschte Zertifikate zu einem Stückpreis von 400 Franken und mehr verkauft haben.

Zudem seien Anwerber angeheuert worden, um Kunden zu finden und das Geld einzutreiben. Urkundenfälschung und Korruption seien mögliche Straftatbestände, sagte Jornot.

«Corona Papers»

Die Käufer der gefälschten Zertifikate werden ebenfalls strafrechtlich verfolgt. Die Staatsanwaltschaft rechnet damit, dass durch die laufenden Ermittlungen einige von ihnen identifiziert werden können. «Die Liste könnte sich als amüsant erweisen. Man braucht Geld und Beziehungen, um ein gefälschtes Covid-Zertifikat zu kaufen», sagte Generalstaatsanwalt Jornot und brachte dabei den Begriff «Corona Papers» ins Spiel.

Um ein Zertifikat zu erhalten, musste man dem Verkäufer lediglich den Namen und sein Geburtsdatum angeben. Dies machte auch eine Polizistin im Rahmen einer verdeckten Ermittlung zur Zerschlagung des Rings. Es sei unmöglich, eine auf dieser betrügerischen Grundlage ausgestellte Bescheinigung von einem echten Zertifikat zu unterscheiden, sagte Jornot weiter.

Mangelnde Kontrolle

Zudem kritisierte der Generalstaatsanwalt die mangelnde Überwachung bei der Ausstellung der Zertifikate in der betroffenen Impfstation, zu der er keine weiteren Angaben machte. Ein Vier-Augen-Kontrollverfahren gebe es nicht.

Ein weiteres Problem sei der leichte Zugang zum Passwort des Computers. Um den QR-Code auszustellen, müsse man sich mit einer BAG-Datenbank verbinden, die ein Passwort vergebe, das einen Tag lang gültig bleibe. Dieser Code werde morgens in den Computer eingegeben und bleibe dann frei zugänglich, bemängelte Jornot.

Weitergabe an Angehörige

Die Verhaftungen in Genf stehen in keinem Zusammenhang mit der Ankündigung des Kantons Waadt, der ebenfalls eine Untersuchung über gefälschte Covid-Zertifikate eingeleitet hat.

Dort werden Mitarbeitende von Apotheken verdächtigt, falsche Impfzertifikate ausgestellt zu haben. Sie sollen diese an Angehörige, teils gegen Geld, weitergegeben haben.

Die Waadtländer Kantonspolizei geht davon aus, dass etwa hundert falsche Zertifikate an Personen ausgestellt wurden, die weder geimpft noch getestet waren, wie sie am Freitag mitteilte. «Wir schliessen nicht aus, dass es noch weitere gibt. Die laufenden Ermittlungen werden das Ausmass des Betrugs aufzeigen», sagte eine Polizeisprecherin der Nachrichtenagentur Keystone-SDA auf Anfrage.

Die Zahl der am Betrug beteiligten Personen ist nicht bekannt. Es habe sich herausgestellt, dass es sich um Mitarbeitende von mehreren Apotheken im Kanton Waadt handle, in verschiedenen Positionen, von der Assistentin bis zur leitenden Apothekerin, sagte die Sprecherin weiter.

Wie viel Geld für ein gefälschtes Zertifikat bezahlt wurde, konnte sie nicht sagen. Die Zahlungen seien nicht systematisch erfolgt. Die Ermittlungen in Gang gebrachte hat laut Polizeiangaben der Leiter einer Apotheke, der mindestens einen der Fälle aufgedeckt hatte.

Polizei warnt vor Strafen

Die Polizei wies daraufhin, dass jeder, der falsche Covid-Zertifikate erstellt oder verwendet, strafrechtlich verfolgt werden kann. Diese Straftaten würden mit Geld- sowie Freiheitsstrafen von bis zu fünf Jahren geahndet.

Quelle: sda
veröffentlicht: 8. Oktober 2021 16:30
aktualisiert: 8. Oktober 2021 17:06