«Junge Schweizer*innen 2021»

Kein Vertrauen in Politik und Wissenschaft mehr

6. Mai 2021, 13:44 Uhr
Eine neue Studie von Jim&Jim zeigt, wie die Zukunftserwartungen der 15-27-Jährigen sich durch die Pandemie gewandelt haben. Das Vertrauen in die Politik und Wissenschaft ist gesunken. Geld hat für viele an Bedeutung zugenommen. Wir haben Jungpolitiker gefragt.

Die Studie namens «Junge Schweizer*innen 2021» ist vor Kurzem herausgekommen. Sie untersuchte das Leben und die Arbeitswelt der jungen Schweizer*innen während der Corona-Pandemie. Wir haben bei lokalen Jungepolitikern nachgefragt.

Die Studie zeigt, dass die Arbeitsplatzsicherheit für viele Jugendliche wichtig geworden ist.

Viele Jugendliche haben in der Pandemie gemerkt, dass es nicht selbstverständlich ist, einen Job zu kriegen. Dies stimmt viele demütig, wie «20 Minuten» schreibt.

«Lehrstellen zu finden war und ist unglaublich schwierig», meint Pascal Lustenberger, Vorstand Junge Grüne Kanton Luzern. Fehlende Schnupperlehren und ein Mangel an Berufsmessen würden den Einstieg in die Arbeitswelt erschweren.

Erwartungshaltungen massiv verschlechtert

Statt Angst um einen Job zu haben, war die Generation Y und Z vor Corona optimistisch gestimmt für die Zukunft. Sie legte viel Wert auf einen erfüllenden Job mit einer guten Work-Life-Balance. Durch die Pandemie hat sich auch die Erwartungshaltung gegenüber der eigenen Zukunft der Jugendlichen massiv verschlechtert.

«Bei vielen entstanden durch die Einschränkungen Zukunftsängste und Perspektivlosigkeit», so Lustenberger weiter. «Aber auch die Sozialkontakte, welche gerade für junge Leute sehr zentral sind, wurden stark eingeschränkt.»

Vertrauensverlust in Politik und Wissenschaft

Nebst den Unsicherheiten bezüglich Job und eigener Zukunft hat die Studie auch einen Vertrauensverlust der Jugendlichen und jungen Erwachsenen gegenüber der Politik und der Wissenschaft festgestellt, schreibt «20 Minuten».

Es wurden Versprechungen auf Seiten der Politik gemacht, die nicht eingehalten werden konnten, meint Luca Boog, Präsident Junge Mitte Kanton Luzern. Deswegen sei es zu diesem Vertrauensverlust gekommen. Weiter meint Boog, dass es Erwartungen auf Seiten der Bevölkerung gab, die nicht erfüllt werden konnten.

«In dieser Pandemie haben wir – ganz Im Gegensatz zur Studie – ein grosses Vertrauen der Jugendlichen gegenüber unserer Partei erlebt», meint Luca Boog. «Durch die Pandemie konnte viel politisiert werden und wir haben einen Zuwachs der Jungen Mitte Kanton Luzern erlebt.» Das Vertrauen sei da gewesen.

Im Gegensatz zur Studie, in der ein klarer Vertrauensverlust gegenüber der Politik zu beobachten war, hat Luca Boog und seine Partei die Mitte Luzern also sogar einen Vertrauensgewinn registriert.

Etwas nachdenklich stimmen diese Ergebnisse der Studie Lustenberger. Denn schliesslich sei es am Ende die Politik, die über unsere Zukunft entscheidet. «Die Massnahmen, welche die Politik heute ergreift, entscheiden darüber, wie die Welt morgen aussehen wird.»

Für Pascal Lustenberger ist es also kein Wunder, dass das Vertrauen gegenüber der Politik abgenommen habe.

Vertrauen zurückgewinnen

Deshalb stelle sich nun die Frage, wie das Vertrauen der jungen Bevölkerung gegenüber der Politik wieder zurückgewonnen werden kann.

Pascal Lustenberger meint dazu, dass den Jugendlichen Gehör verschafft werden müsse und ihre Meinung willkommen sei. Die Jugendlichen müssten in die Politik miteingebunden werden und selbst mitdiskutieren und mitentscheiden können. Nur so könne das Vertrauen zurückgewonnen werden, so Lustenberger.

Auch Kim Rast, Präsidentin Jungfreisinnige Kanton Luzern meint, dass die Jugendlichen mehr in die Politik miteingebunden werden sollten.

«Es braucht mehr Plattformen für die Jugend, um sich miteinander auszutauschen, die politische Bildung sollte in der Schule gefördert werden, somit wird ein Verständnis [für die Politik] aufgebaut», erklärt Rast.

Geld bekommt höheren Stellenwert

Zudem hat die Studie gezeigt, dass Geld einen höheren Stellenwert bei den Jugendlichen bekommen hat. «Es ist uns als Gesellschaft extrem gut gegangen vor der Pandemie», meint Luca Boog zu diesem Punkt der Studie.

Dazu seien eine tiefe Jugendarbeitslosigkeit gekommen und man hatte eine gewisse Jobsicherheit. «Zum Beispiel konnte man nach einer Lehre meist beim Betrieb weiterarbeiten, was momentan nicht mehr garantiert sein muss.»

Die Pandemie hat nun aber viele Leute in die Not getrieben. Das habe der Jugend gezeigt: Geld bringt Sicherheit, Unabhängigkeit und Freiheit. Während Geld wichtiger geworden ist, haben Werte wie «Gutes tun», «Teamgefühl» oder «Grosses bewegen» für die Jugend abgenommen, wie die Studie als Fazit zeigt.

(bmi)

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 4. Mai 2021 07:25
aktualisiert: 6. Mai 2021 13:44