Gentechnik

Gentechnisch veränderte Insekten gegen Schädlinge

Chantal Herger, 24. April 2020, 11:48 Uhr
Heutzutage werden Schädlinge in der Landwirtschaft meistens mit Pestiziden bekämpft. Dass es auch anders geht, zeigt die Gentechnik. Gegen Pestizide könnten gentechnischveränderte Insekten eingesetzt werden. Doch welche Auswirkungen hat das auf die Umwelt?

Bisher wird in der klassischen biologischen Schädlingsbekämpfung auf natürliche Gegenspieler zurückgegriffen. Eine andere Methode der Schädlingsbekämpfung ist die sterile Insektentechnologie. Dabei wird eine Schädlingspopulation einer hohen Anzahl von unfruchtbaren Artgenossen, die im Labor gezüchtet wurden, ausgesetzt. Folglich gibt es keine oder weniger Nachkommen und die Population stirbt aus.

Gentechnik hilft gegen Schädlinge

Weiter geht die Gene-Drive-Technologie. Dabei kommen sogenannte Gene-Drives-Elemente zum Einsatz. Diese bewirken, dass bei der Fortpflanzung das gewünschte Gen an mehr Nachkommen vererbt wird.

Im Normalfall wird jeweils die Hälfte des Erbguts von jedem Elternteil weitergegeben und somit jedes Gen nur an die Hälfte der Nachkommen vererbt. Mithilfe der Gene-Drive-Elemente kann das gewünschte Gen mit bestimmten Eigenschaften mehrmals vererbt und somit verstärkt in eine Insektenpopulation eingebracht werden, wie es in der Mitteilung der Forschergruppe heisst.

Insekten gentechnisch verändern

Im Labor werden Insekten mittels molekularbiologischen Methoden gentechnisch so verändert, dass sie ein Gene-Drive-Element in sich tragen. Dadurch kann eine Insektenpopulation nachhaltig verändert werden. So kann sie etwa dahingehend manipuliert werden, dass sie beispielsweise keine Krankheiten mehr übertragen können. Oder ein Gen kann mutiert werden, so dass ganze Schädlingspopulationen verkleinert oder ausgelöscht werden können.

Dieser Eingriff in die Natur löst Bedenken aus. So könnten Gene Drives zur Ausrottung einer Art führen. Auch könnten die Gene-Drive-Elemente auf andere Insektenarten übertragen werden und diese schädigen.

Auf Erfahrung zurückgreifen

Eine Gruppe von Fachleuten der Agroscope hat sich nun der Frage angenommen, wie sich mit Gene-Drive-Elementen veränderte Organismen auf die Umwelt auswirken. Das Team unter der Leitung von Jörg Romeis und Jana Collatz von der Forschungsgruppe Biosicherheit bei Agroscope hat dazu zusammen mit Experten vom National Institute of Public Health and the Environment in den Niederlanden und der Oxford University in England eine Studie verfasst. Sie untersucht verschiedene Technologien der Schädlingsbekämpfung und deren Umgang mit Risiken.

Sie gehen davon aus, dass die Gene-Drive-Technologie keine grundsätzlich neuartigen Umweltrisiken mit sich bringt. Dies setzen sie in Vergleich zur sterilen Insektentechnologie, wo ebenfalls mit freigesetzten Lebewesen gearbeitet wird. Beide Technologien bergen ein gewisses Risiko, weil gentechnisch veränderte Organismen ausgesetzt werden. Aufgrund der Erfahrung mit der sterilen Insektentechnologie sollen diese Risiken ausgeschlossen werden. Auch bei anderen Technologien entstehen ähnliche Szenarien wie bei der Gene-Drive-Technologie, die Forschung soll daraus ihre Schlüsse ziehen und aus bestehenden Methoden lernen.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 24. April 2020 11:48
aktualisiert: 24. April 2020 11:48