Schweiz

Gibt es im Sommer nur noch freiwillige Corona-Massnahmen?

23. Januar 2022, 06:24 Uhr
Epidemiologe und Ex-Taskforce-Mitglied Marcel Tanner hält Corona-Massnahmen wie Testen und Masken ab Sommer nur noch punktuell für nötig. Hielten die Menschen in bestimmten Situationen freiwillig Schutzmassnahmen ein, könnten die staatlichen Einschränkungen wegfallen.
Werden Schutzmasken bald freiwillig?
© KEYSTONE/MICHAEL BUHOLZER

Seiner Meinung nach sind nach der Omikron-Welle flächendeckende Massnahmen wie Maskenpflicht und 2G-Zertifikatspflicht nicht mehr nötig, «wenn wir uns weiterhin genügend impfen und boostern», wie Tanner in einem Interview mit der «SonntagsZeitung» sagte. Voraussetzung dafür sei, dass die Gesellschaft und jeder einzelne Verantwortung übernehme.

Das Virus werde nicht einfach verschwinden, erklärte der 69-jährige Basler Forscher. Es werde «weiterhin Corona-Ausbrüche geben, vielleicht sogar kleinere Wellen». Aber solche Ausbrüche könne man künftig mit «gezielten punktuellen und freiwilligen Massnahmen beherrschen und eindämmen».

Tanner glaubt, dass wenn der Staat aufhöre, harte Massnahmen zu erlassen, und damit stattdessen eine Perspektive aufzeige, wie die Menschen mit einfachen und freiwilligen Massnahmen wieder Normalität herstellen könnten, werde die Gesellschaft das tun. «Das hat sich bisher in allen Epidemien gezeigt.»

Der Epidemiologe forderte auch ein Ende der Massentests und umfangreichen Datensammlung. Nach der Omikron-Welle müsse man aufhören, «breit zu testen und massenweise Daten zu sammeln», sagte Tanner. «Die Prognosen werden mit den riesigen Datenmengen nicht besser, sie provozieren nur neue Ängste». Tanner schlug vor, künftig die Verbreitung des Coronavirus nur noch mit Stichproben ähnlich wie bei der Grippe zu überwachen. Testen lassen sollte sich «grundsätzlich nur noch, wer Symptome hat, die auf Corona hindeuten».

Quelle: sda
veröffentlicht: 23. Januar 2022 06:18
aktualisiert: 23. Januar 2022 06:24
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