«Swiss Steel»

Grossaktionär setzt Kapitalerhöhung durch, Oligarch wehrt sich

22. Dezember 2020, 22:06 Uhr
Swiss-Steel-Grossaktionär Martin Haefner am Hauptsitz des Autoimporteurs Amag in Cham, der in seinem Besitz ist.
© Dominik Wunderli (26. November 2019
Zwei Drittel der vertretenen Aktionäre waren an der Generalversammlung des Luzerner Stahlkonzerns für die Kapitalerhöhung. Kleinaktionäre halten an ihrer Fundamentalkritik fest. Auch die Liwet Holding um den russischen Milliardär Viktor Vekselberg gibt sich nicht geschlagen.

An der ausserordentlichen Generalversammlung der Swiss Steel Group am Dienstag in Luzern konnte sich Grossaktionär Martin Haefner erneut durchsetzen. Die von ihm gewollte Erhöhung des Aktienkapitals wurde von den Aktionären gutgeheissen: Die Aktionärinnen und Aktionäre der Swiss Steel Holding AG haben dem Antrag des Verwaltungsrates mit rund 67 Prozent der vertretenen Stimmen zugestimmt, teilte der Stahlkonzern aus Emmenbrücke mit.

Damit werden dem finanziell angeschlagenen Unternehmen rund 200 Millionen Euro zufliessen.  Das Aktienkapital wird von aktuell rund 304 Millionen Franken um 155 Millionen auf 459 Millionen Franken erhöht. Dies erfolgt durch die Ausgabe von 1 Milliarde neuen Namenaktien mit einem Nennwert von je 15 Rappen. Martin Haefners Gesellschaft Big Point hatte sich im Vorfeld dazu bereit erklärt, alle eigenen Bezugsrechte auszuüben und Aktien, die von bestehenden Aktionären nicht bezogen oder nicht anderweitig platziert werden, zum Mindestpreis von 21 Rappen zu übernehmen.

Kleinaktionäre weiterhin unzufrieden

Die Kapitalerhöhung war umstritten, weil sich Martin Haefner weigert, den Kleinaktionären ein Übernahmeangebot zu unterbreiten. Die kürzlich gegründete «Interessengemeinschaft der unzufriedenen Kleinaktionäre der Swiss Steel» (Iguk) hatte im Vorfeld die Minderheitsaktionäre aufgerufen, die Kapitalerhöhung abzulehnen.

Durch die Kapitalerhöhung wird der Anteil der Kleinaktionäre nun weiter verkleinert. IG-Mitgründer Roland Wismer aus Zug sagt auf Anfrage, er werte die Zustimmungsrate von 67 Prozent als Zeichen dafür, dass es eine unzufriedene Minderheit gebe. Kleinaktionäre haben in den letzten Wochen Dutzende Anzeigen bei der Übernahmekommission eingereicht. 

Auch der nach Haefner mit einem Anteil von rund 25 Prozent zweitwichtigste Aktionär, die Liwet Holding um den russischen Milliardär Viktor Vekselberg, stemmte sich gegen die Finanzspritze und reichte bei der Übernahmekommission eine Anzeige ein. «Das Vorgehen der Liwet entbehrt jeder Grundlage und widerspricht den Interessen der Swiss Steel und ihrer weiteren Aktionäre und Mitarbeitenden», teilte Swiss Steel am Dienstagabend mit. Swiss Steel halte an der Kapitalerhöhung fest und werde sich «mit allen Mitteln gegen das verantwortungslose Vorgehen der Liwet und ihrer Vertreter» zur Wehr setzen, heisst es weiter. 

Sollte Haefner, der aktuell knapp 50 Prozent der Anteile hält, die Kapitalerhöhung abschliessen können, dürfte er auf einen Anteil von 60 bis 70 Prozent kommen. Damit könnte er die strategische Stossrichtung des Konzerns, der früher Schmolz+Bickenbach hiess, alleine bestimmen. 

Wechsel im Management

Auch im Management kommt es zu einem Wechsel. Wie der Konzern am Montagabend mitteilte, wird Frank Koch spätestens Anfang 2022 die CEO-Funktion von Clemens Iller übernehmen, der sich entschieden habe, «das Unternehmen zu verlassen und damit auch einen personellen Neuanfang in der Führung des Konzerns zu ermöglichen», wie Swiss Steel mitteilte. Clemens Iller habe die heutige Swiss Steel Group seit seinem Eintritt im April 2014 «in einer von grossen strukturellen und finanziellen Herausforderungen geprägten Zeitperiode» erfolgreich geführt, schreibt das Unternehmen. Über seinen Weggang wurde schon seit längerem spekuliert. Zuletzt wurde vor allem die Kritik an seiner Entlöhnung immer lauter. Den Finanzchef hat Swiss Steel kürzlich auch ausgewechselt.

(mim)

Quelle: CH Media
veröffentlicht: 22. Dezember 2020 21:24
aktualisiert: 22. Dezember 2020 22:06