Alkohol plus Mineral

«Hard Seltzer» erreicht die Schweiz – Suchtprävention ist alarmiert

Mario Trlaja, 31. August 2020, 11:26 Uhr
Mit Sparklys betritt ein neuer Player den jungen Schweizer Hard-Seltzer-Markt.
© Sparklys
In den USA gehören sie auf jede College-Party: weisse Dosen der Firma «White Claw». Das alkoholische Mineralwasser lockt mit fruchtigen Aromen und mit wenig Kalorien. Jetzt mischen auch Schweizer Firmen auf diesem Markt mit.

Mineralwasser, Alkohol und ein paar Aromen: Das sind die Zutaten des neuen Hype-Getränks «Hard Seltzer». Die Mischung des US-Marktführers «White Claw» schlug im Sommer 2019 derartig ein, dass die weissen Dosen zeitweise komplett ausverkauft waren.

«Ain't no laws when you're drinking Claws»

Das alkoholische Mineralwasser wirbt mit 50 Prozent weniger Kalorien als Bier und trifft damit den körperbewussten Zeitgeist der Generation Instagram und Tik Tok. Saufen ohne schlechtes Gewissen.

Marktführer White Claw versteht es zudem, sein Produkt richtig zu vermarkten. Auch ohne offizielles Sponsoring waren die weissen Dosen beim letztjährigen Coachella-Festival omnipräsent. Mit diesem Mix ist White Claw bereits ein fester Bestandteil der amerikanischen Millennial-Kultur.

Auch Schweizer mischen mit

Nachdem fast jedes Dorf seine eigene Mikrobrauerei hat, versuchen es auch hiesige Unternehmen mit dem munter machenden Mineral. So hat etwa das Zürcher Startup Nylo dieses Jahr ihre Version des Hype-Getränks lanciert. Mit Erfolg: Die Dosen, die nicht in Weiss, sondern im minimalistischen Alu-Look daherkommen, sind derzeit alle ausverkauft. Nachschub gibt es Ende September.

Die Slogans sind die gleichen wie beim Vorbild: 100 Kalorien, wenig Kohlenhydrate, glutenfrei.

Mit Sparklys aus Altstätten in St. Gallen steht auch schon das nächste Schweizer Hard Seltzer in den Startlöchern. Wie White Claw kommt auch die Ostschweizer Variante in der weissen Dose daher. Auf dieser lächeln uns bekannte Begriffe an: zuckerarm, vegan, glutenfrei. Im Gegensatz zu Nylo kommt bei Sparklys der Alkohol aus gegärtem Sirup. Die Zürcher geben ihrer Version ein Destillat bei.

Im Gespräch mit PilatusToday erzählen die Gründer Ayko Kehl und Gabriel Altwegg, wie sie auf die Idee kamen, Getränkeunternehmer zu werden.

Die Idee sei letztes Jahr während einer USA-Reise gekommen, sagt Gabriel Altwegg. «Dort haben wir den Hype um White Claw live miterlebt und dachten uns ‹komm, das bringen wir in die Schweiz›.» Das Team aus vier Studenten vertreibt seine Dosen derzeit über einen Online-Shop. Es gäbe aber auch interessierte Getränkehändler für die Gastronomie, sagt Altwegg. Mit den Vorbereitungen der Lancierung begann man in der Ostschweiz am Anfang des Jahres. Richtig los ging es erst im August.

Wie kann man sich im schnelllebigen Getränkegeschäft gegen die Konkurrenz behaupten?

«Sparklys ist das erste Schweizer Hard Seltzer auf der Basis von gegärtem Alkohol», sagt Ayko Kehl. Dies sei einerseits näher am amerikanischen Original und andererseits habe dies steuerliche Vorteile.

Hard Seltzer: Neue Alcopops?

Wie beim «Smirnoff Ice»-Siegeszug in den frühen 2000ern ruft Hard Seltzer die Suchtprävention auf den Plan. So kritisierte Sucht Schweiz etwa das Marketing als gesundheitsbewusste Alternative zu anderen Drinks. Dadurch könnten Hard Seltzer bei Teenagern für Spitalbesuche und ausgepumpte Mägen sorgen.

Sucht Schweiz fordert deshalb eine Sondersteuer für Hard Seltzer, wie diese bei Alcopops 2004 eingeführt wurde.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 27. August 2020 21:02
aktualisiert: 31. August 2020 11:26