Vergleich der BAG Zahlen

Infizierte werden immer jünger – Alte bleiben Risikogruppe

Mario Trlaja, 18. November 2020, 11:25 Uhr
Aktuell werden viel mehr jüngere Personen getestet als während der ersten Welle. (Symbolbild)
© KEYSTONE/DPA/KAY NIETFELD
Die Zahlen des BAG zeigen bei genauerer Betrachtung: während die Träger des Coronavirus immer jünger werden, sind es nach wie vor die Senioren, die während der Pandemie sterben.

Mitten in der zweiten Welle poppen sie in jeder Push-Benachrichtigung der Nachrichtenapps auf den Handys auf: die Corona-Toten.

Momentan sterben jeden Tag gegen 100 Personen an den Folgen des Coronavirus. Am Dienstag waren es 142 Menschen, Tendenz steigend. Zum Vergleich: In eine «Airbus A220-300» der Swiss passen 145 Passagiere. Die aktuellen Todeszahlen bewegen sich somit im Bereich eines gutgefüllten abgestürzten Flugzeugs. Querdenker würden jetzt kontern, dass es auch bei Flugzeugabstürzen Überlebende gibt.

Wie ein täglicher Flugzeugabsturz

Ein Blick auf die Zahlen des BAG zeigt: Auf dem Höhepunkt der ersten Welle zwischen Ende März und Anfang April ist die Altersklasse der über 80-Jährigen Spitzenreiter bei den Neuansteckungen. Wenig verwunderlich, dass sie in dieser Zeit mit 70 bis 75 Prozent die absolute Mehrheit bei den Todesfällen bilden. Nimmt man die Generation 70+ hinzu, liegt der Anteil bei 90 bis 94 Prozent.

Laborbestätigte Fälle nach Altersgruppe in der Schweiz und Liechtenstein, 24.02.2020 bis 15.11.2020 pro 100 000 Einwohner/innen. Die Kacheln sind im Frühling so hell, weil wir im Herbst viel höhere Fallzahlen haben. 

© BAG

Die zweite Welle hat die Ansteckungsherde verändert – oder ins rechte Licht gerückt. Es sind im Herbst nicht mehr ältere Menschen, die sich am häufigsten mit dem Virus anstecken, sondern Leute der Altersklasse 20 bis 29 Jahre. Alles rücksichtslose Party-Millennials? Ziemlich sicher nicht. Denn die Testkapazitäten sind deutlich höher als im Frühling. Während man im Frühling vor allem älteren Risikogruppen in den begrenzten Testcentren den Vortritt gab, führt die grössere Verfügbarkeit von PCR- und neuen Schnelltests dazu, dass sich im Herbst vermehrt auch Junge testen lassen.

Nur 16 Tote unter 50 

Laborbestätigte Todesfälle in der Schweiz und Liechtenstein, 24.02.2020 bis 15.11.2020, pro 100 000 Einwohner/innen

© BAG

Bei den Todesfällen gibt es in der zweiten Welle keine Verschiebung. Über 80-Jährige machen in den letzten zwei Wochen weiterhin 70 bis 74 Prozent der Corona-Toten aus. Inklusive der Personen über 70 Jahren steigt der Anteil auf 95 Prozent.

Das Virus verbreitet sich unter den Ungefährdeten

Trotz steigender Anzahl Kranken haben Junge weiterhin sehr gute Heilungschancen. Seit Beginn der Pandemie gab es keine Woche, in der mehr als zwei Personen unter 50 Jahren am Coronavirus gestorben sind. Insgesamt sind «nur» 16 Personen unter 50 Jahren an den Folgen des Virus verstorben, darunter ein Kind unter neun Jahren.

Die Verschiebung innerhalb der Altersgruppen zeigt die Heimtücke des Virus. Die Ältesten und Schwächsten bleiben die Gefährdetsten, während sich das Virus über diejenigen verbreitet, die sich nicht um sich selbst fürchten müssen. Ein Flugzeugabsturz bleibt ein Flugzeugabsturz, egal wie alt die Passagiere sind.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 17. November 2020 18:15
aktualisiert: 18. November 2020 11:25