Vierte Impfung

Können wir das Thema Corona-Booster nun abhaken?

Bettina Zanni, 10. September 2022, 08:10 Uhr
Viele Menschen haben genug vom Impfen. Der Bund verzichtet im Hinblick auf den kommenden Herbst auf eine generelle Impfempfehlung. Walter Zingg, Infektiologe am Universitätsspital Zürich, sagt, was das genau zu bedeuten hat.
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So oft wie in den letzten zwei Jahren hat sich in letzter Zeit kaum jemand piksen lassen. Viele Menschen sind froh, dass die Covid-Impfung das Coronavirus in die Enge getrieben hat. Gleichzeitig fällt bei zahlreichen Geimpften der Satz: «Dreimal Impfen ist genug!» Dieser Meinung ist auch das Bundesamt für Gesundheit (BAG).

An einer Medienkonferenz am Freitag verzichtete der Bund auf eine generelle Impfempfehlung. «Bei Personen ohne Risikofaktoren besteht im Herbst 2022, verglichen mit Beginn der Pandemie, ein sehr geringes Risiko für eine schwere Erkrankung», sagte Christoph Berger, Präsident der Eidgenössischen Impfkommission (EKIF).

Explizit empfohlen wird ein zweiter Booster nur über 65-Jährigen, Vorerkrankten, Schwangeren und Personen, die mit Risikopersonen in Kontakt treten. Die restliche Bevölkerung über 16 Jahre soll «nach individueller Abwägung» entscheiden, ob ein zweiter Booster nötig ist oder nicht.

«Nähern uns Grippeimpfungs-Situation an»

Walter Zingg ist leitender Arzt der Klinik für Infektionskrankheiten und Spitalhygiene am Universitätsspital Zürich. Er rechnet damit, dass die breite Bevölkerung, die dreimal geimpft ist, das Thema Corona-Impfung nun etwas entspannter angehen kann. «Vorausgesetzt, dass sich das Virus nicht verändert und keine neuen Varianten auftauchen», betont er.

Die Covid-Impfung schützt laut Zingg primär vor schweren Verläufen, schliesst aber eine Übertragung nicht aus. «Wir nähern uns der Grippeimpfungs-Situation an.» Wie die Grippeimpfung werde die Corona-Impfung dieses Jahr saisonal empfohlen.

Nochmals impfen oder nicht?

Die Empfehlung des BAG, «nach individueller Abwägung» über eine vierte Impfung zu entscheiden, verunsichert einige Menschen. «Eine freiwillige Impfempfehlung. Was soll das sein?», fragte etwa jemand auf Twitter.

Walter Zingg macht darauf aufmerksam, dass eine Infektion mit dem Coronavirus zu beruflichen Ausfällen führen kann. «Man muss sich demnach überlegen, ob man sich einen Ausfall beruflich leisten kann.» Auch könne niemand zu 100 Prozent ausschliessen, an einem schweren Verlauf zu erkranken.

Die Impfkommission sprach eine mittlere Empfehlungsstärke für Personen aus, die beruflich oder privat besonders gefährdete Personen betreuen. Beim Spitalpersonal hätte sich Zingg eine klare Empfehlung gewünscht. «Wenn sich viele Mitarbeitende impfen lassen, fällt weniger Personal aus und die Übertragungen innerhalb des Personals sind auch geringer.»

«Die Ungeimpften erwischt es»

Sicher nicht gegessen ist das Thema Impfung für Personen, die sich nach wie vor nicht gegen das Virus geimpft haben. «Im Gegenteil: Die Ungeimpften haben nach wie vor ein grosses Risiko, an Corona zu erkranken», sagt Zingg. Gross sei auch die Wahrscheinlichkeit eines schweren Verlaufs. «Während der letzten Corona-Wellen lagen in den Spitälern mehrheitlich Ungeimpfte.»

Auf eine Impfung aus Sorge vor schlimmen Nebenwirkungen oder Komplikationen zu verzichten, hält Zingg für falsch. «Angesichts der Millionen Dosen, die wir verimpft haben, ist die Komplikationsrate sehr, sehr klein.»

Quelle: Today-Zentralredaktion
veröffentlicht: 10. September 2022 06:52
aktualisiert: 10. September 2022 08:10